Guatemala; Polka bis die Ohren bluten!

24. bis 28. Mai 2013

Gesamtkilometer:            6593 KM
Längste Strecke:            102,9 KM
Plattenstatistik:                    26

Die letzten Tage verbrachten wir in Palenque, wo wir zum dritten Mal Julia und Jörg aus dem Schwabenland trafen. Gesprächsstoff gab es genug, denn seit unserer letzten Begegnung ist viel passiert.

Wir wollen endlich raus aus Mexiko;

– wie groß dieses Land ist, weiß man erst, wenn man versucht es zu durchqueren!

Über kleine idyllische Dörfchen fahren wir auf der Straße 307 zwei Tage lang ins Niemandsland. „Frontera Corozal“, der letzte Ort vor der Grenze. Unser Schicksal machte es mal wieder spannend. 97 Kilometer hatten wir bestes Wetter und keine Probleme. Doch ausgerechnet auf den noch verbleibenden Fünf, muss es zum Showdown kommen:

Der bisher heitere Himmel wurde zusehends von einer dunkelschwarzen Wolkendecke überzogen; ein vorher kleines Lüftchen entwickelte sich immer mehr zu einem ausgewachsenen Sturm, natürlich gegen uns; der ach so schöne Asphalt ging in eine elende Buckelpiste über und Fabis Hinterreifen ließ Luft, wie ein Magendarmtrakt nach einer guten Bohnenmahlzeit.

Mit den letzten Reserven schaffen wir es aber doch noch trocken in das Dörfchen. Wir finden ein Hotel und schieben die Fahrräder unter die Überdachung. Nur Sekunden später bricht der Himmel dann völlig in sich zusammen. Puhhhh, das war Timing!!! 🙂

Den nächsten Tag bleiben wir! Es ist Champions League Finale und wir hatten mitten in der Pampa einen Fernseher, der das Spiel übertrug. Juhu!!! 🙂

Wer Mexiko verlassen möchte braucht Kohle!

Diese „Halsabschneider“! Je 300 Pesos sollen wir für die Ausreise abdrücken. Nachdem wir nur widerwillig den „Wegzoll“ zahlten, ging es mit einem kleinen Motorboot 50 Meter weiter über den Grenzfluss, wo 5-6 Häuschen das Dorf „la Tecnica“ andeuten.

Nach 4 Monaten in Mexiko haben wir es endlich geschafft – GUATEMALA, “das Land der Bäume“. Es fängt schon wieder an zu regnen. Unter einem Vordach sitzend können wir sehen, wie sich auf den unasphaltierten Wegen große Schlammpfützen bilden. Ein schönes Willkommen sieht anders aus!

Wo ist eigentlich die Immigration? Die Leute hier zu fragen bringt nicht viel. Alle sagen es sei gefährlich oder wollen uns ein Busticket aufschwatzen. 5 Stunden soll es mit dem Bus in die nächste Stadt dauern.

Als der Regen stoppt fahren wir einfach los. Der Weg war grausam. Aufgeweicht von all den Schauern und übersät mit spitzen Steinen ist das Vorankommen alles andere als leicht. Beschwerlich radeln wir an mehreren indigenen Hütten vorbei. „Gringo, Gringo“ hallt es zu uns.

Krass wie die Menschen hier leben; Strom gibt es nicht und fließend Wasser nur am Fluss. Trotzdem bekommen wir neben den zahlreichen, erstaunten Blicken, auch sehr oft ein fettes Lächeln geschenkt.

Danke!

Kaum zu glauben, Fabi schafft es, sich auf den 15 Kilometer zur Immigration 2 Platten einzufangen. Pechvogel! 🙂

Die Tapisz sztolpern über szpitze Szteine!“

Irgendwo im Nirgendwo taucht auf einmal ein großes Schild auf -“Willkommen in Guatemala“.

In der Immigration werden wir super freundlich empfangen, ohne Probleme bekommen wir einen Stempel für 3 Monate. Als wir vor die Tür traten, braute sich schon wieder ein Unheil am Himmel zusammen; Blitze, Donner, Sturm; das volle Programm!

Wir fragen die Grenzbeamten, ob sie vielleicht ein Plätzchen für die Nacht hätten und rollten wenig später unsere Isomatten unter dem Schutze der Veranda aus. Alle waren super nett, sie versorgten uns wie selbstverständlich mit Kaffee, Wasser und ein Paar Eiern. Auch der Stationshund war bald unser bester Freund. Das Essen schien ihm gut in der Nase zu liegen! 🙂

Am Morgen zogen wir weiter. Die Straße wurde zwar etwas besser, doch führte weiterhin über Stock und Stein.

Der sich häufenden Muskelkater in den Schultern deutet es an, die Menschen hier sind einfach nur freundlich! Winken bis der Arzt kommt! 🙂

Mutter Natur lässt uns einfach nicht in Ruhe! Während Sie versucht, uns literweise mit Wasser zu überschütten, finden wir noch gerade so Zuflucht auf einer Papayafarm. Die Arbeiter freuen sich über die spontane Abwechslung; wir auch. Es gibt Papayas satt. Außerdem erfahren wir, dass die Schotterpiste bald zu Ende ist; die Stimmung steigt.

Las Cruzes

Um den Länderwechsel gebührend zu feiern, kehren wir in einer einheimische „Cerveceria“(Kneipe) ein. Wir haben die Füße noch in der Türschwelle, als uns schon der alt ranzige Biergeruch von jahrelangen Sauforgien in die Nase sticht; die halb kaputten plastischen Sitzgelegenheiten laden regelrecht zur Gemütlichkeit ein und die leicht bekleideten „Dorfschönheiten“, die sich ihrer ausgefallenen Zähne nicht schämen, geben alles um uns möglichst verführerisch Willkommen zu heißen.

„Jup, hier sind wir richtig!“ 😉

„Wenn schon Kultur dann doch das volle Programm! Lass uns doch ein bisschen Volksmusik hören!“ 

Nach ein Paar Bierchen stand Dani freudestrahlend vor einer riesigen Jukebox.

Kultur soll es sein! Guatemaltekische Polka! Klick, Play!

#BOOOOOOM#

Wie ein Faustschlag ins Gesicht hämmert es aus den Lautsprechern in unsere Ohren. Verzweifelt sucht Dani noch vergebens nach dem Stoppknopf, bevor wir uns endgültig unserem Schicksal fügen!

Tja der Guatemalteke mag es laut! 🙂

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Mexiko: Die Tapis unter Gottes Segen!

10. bis 23. Mai 2013

Gesamtkilometer:            6334 KM
Längste Strecke:            123,5 KM
Plattenstatistik:                    23

Es ist 12 Uhr mittags; das Thermometer zeigt 48°C. Um ein wenig auszuruhen, haben wir uns in den Schatten eines Mangobaumes geflüchtet und naschen nun frecherweise ein paar heruntergefallende Früchte; viele Kilometer haben wir heute allerdings noch nicht gemacht; Dani fühlt sich nicht so gut.

Die Mangos noch in der Hand lernen wir Silvio kennen, den Eigentümer des Fallobstes das wir gerade verdrücken. Den fülligen Mexikaner scheint das jedoch wenig zu interessieren; er will nur wissen, was wir hier bei der Affenhitze mit den vollgepackten Fahrrädern machen.

„Ähhh ….Spazierfahrt?!?“ 🙂

Nach einem kleinen Plausch und weiteren Mangos 😉 geht es weiter. Wir kommen in die Stadt Loma Bonita. Gerade als wir ein für uns gut aussehendes Motel (heißt: die schlimmste Bruchbude im Ort) gefunden haben, steht Silvio wieder hinter uns, diesmal aber mit einem riesigen Geländewagen. Wir sollen ihm folgen, er möchte uns die Nacht ein Hotelzimmer spendieren und die Stadt zeigen. Nach einer kurzen Fahrt ins Zentrum stehen wir nun vor dem wahrscheinlich besten Hotel der Stadt.

-„Nach dem Regen folgt bekanntlich Sonne.“

Als unser Gönner die Formalitäten abgeklärt hatte, meint er noch, wir sollen hier unbedingt etwas essen; die Rechnung geht aufs Zimmer, keine Widerrede!

„In drei Stunden komme ich wieder, dann zeig ich euch die Stadt“

– sprach er und ward verschwunden.

Wir konnten es kaum glauben, so ein nobles Hotel hatten wir auf der ganzen Reise nicht. Alles strahlte im sauberen Weiß und jeder hatte ein riesiges Bett für sich. Es gab Kabel-TV, Wifi und seit Ewigkeiten mal wieder eine Klimaanlage. Wir sind im Himmel!

-“Man muss das mal so sehen, die letzte Zeit hatten wir entweder gecampt, die Nacht in einem ranzigen Schuppen bei 38°C oder in einem Puff-Hotel mit quietschendem Ventilator verbracht.“

Das jedoch war für uns wie ein Sechser im Lotto oder wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen! 🙂

Nach dem wir uns im hauseigenen Restaurant bescheiden satt aßen, holte uns Silvio wie versprochen ab. Doch an statt uns die Gegend zu zeigen, fuhren wir direkt zu einer sich noch im Bau befindenden Kirche.

„Mist; da war der Haken“ 🙂

Wir wurden allen höflichst vorgestellt und dann zu unseren Plätzen gebracht. Die Hände zum Himmel, einige auf ihren Knien, begrüßten wir gemeinsam unter lauter Musik und schrägem Gesang den Allerheiligsten. Dann war der Pastor dran; in einer nervenaufreibenden, vor Energie geladenen, emotionalen Geschichte ging er bis ans Maximum und brüllte aus voller Brust auf das vor Ehrfurcht zitternde Mikro ein, um selbst den letzten Zweifler hier zu überzeugen.

Schließlich waren die beiden Neulinge dran. Wir wurden nach vorn ans Pult geholt und bekamen die besondere Ehre, von der gesamten Gemeinschaft gesegnet zu werden. Der Pastor und sein Gehilfe legten uns die Hände auf den Kopf und begannen, während der Rest der Leute die Hände in unsere Richtung gestreckt hatten, mit der ebenso energiegeladenen „Teufelsaustreibung“…ähhh ups, Segnung. 🙂

Zufrieden und gesegnet ließen wir danach mit Silvio und seiner Familie den Abend im Restaurant ausklingen.

„Warum hast du uns eigentlich so großzügig eingeladen?“ -wollten wir wissen.

„Finanziell geht es mir heute gut, ich besitze über 3000000 Hühner, aber das war nicht immer so. Dank Gott, hatte ich viel Glück in meinem Leben, deshalb versuche ich nun ein bisschen davon zurück zugeben.“

Die Nächsten Tage laufen ziemlich ähnlich ab; früh aufstehen, und später, in übertriebener Hitze Kilometer schrubben. Aber wir lernen ein Typen kennen der mit 3 Pferden von Kanada nach Brasilien reitet. Die Tapis sagen RESPEKT.

Über Acayucan, Coatzacoacos und Villahermosa kommen wir nach Palenque. Dort angekommen fahren wir gleich samt Gepäck auf den Rädern, zu der berühmten Majastätte, denn wir wollten unbedingt ein Foto mit den Tapi-Bikes vor den Ruinen haben. Am Eingang des Nationalparks können wir noch unsere Überredungskunst nutzen und kommen umsonst rein. Dann stehen wir jedoch vor dem zweiten Ticketschalter. Wir versuchen es mit Tricks, Schmeicheleien und frei erfundene Geschichten; wir lassen sogar die Direktorin kommen, der wir erzählen, dass wir eine Dokumentation drehen, in der unsere Fahrräder vor den Majaruinen stehen sollen. 🙂

Doch es half alles nichts, die Direktorin freute sich zwar, dass das „Fernsehen“ da war, blieb aber in ihrer Entscheidung stur. Also ging es für uns nur zu Fuß weiter.

Tapinambur erforscht das Reich der Maja.

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Tapinambur; Timelaps at the Side of our Way

Von Mexico nach Guatemala nahmen wir einige Zeitraffer auf.

Schaut es euch an :).

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