Mexiko: Die Tapis unter Gottes Segen!

10. bis 23. Mai 2013

Gesamtkilometer:            6334 KM
Längste Strecke:            123,5 KM
Plattenstatistik:                    23

Es ist 12 Uhr mittags; das Thermometer zeigt 48°C. Um ein wenig auszuruhen, haben wir uns in den Schatten eines Mangobaumes geflüchtet und naschen nun frecherweise ein paar heruntergefallende Früchte; viele Kilometer haben wir heute allerdings noch nicht gemacht; Dani fühlt sich nicht so gut.

Die Mangos noch in der Hand lernen wir Silvio kennen, den Eigentümer des Fallobstes das wir gerade verdrücken. Den fülligen Mexikaner scheint das jedoch wenig zu interessieren; er will nur wissen, was wir hier bei der Affenhitze mit den vollgepackten Fahrrädern machen.

„Ähhh ….Spazierfahrt?!?“ 🙂

Nach einem kleinen Plausch und weiteren Mangos 😉 geht es weiter. Wir kommen in die Stadt Loma Bonita. Gerade als wir ein für uns gut aussehendes Motel (heißt: die schlimmste Bruchbude im Ort) gefunden haben, steht Silvio wieder hinter uns, diesmal aber mit einem riesigen Geländewagen. Wir sollen ihm folgen, er möchte uns die Nacht ein Hotelzimmer spendieren und die Stadt zeigen. Nach einer kurzen Fahrt ins Zentrum stehen wir nun vor dem wahrscheinlich besten Hotel der Stadt.

-„Nach dem Regen folgt bekanntlich Sonne.“

Als unser Gönner die Formalitäten abgeklärt hatte, meint er noch, wir sollen hier unbedingt etwas essen; die Rechnung geht aufs Zimmer, keine Widerrede!

„In drei Stunden komme ich wieder, dann zeig ich euch die Stadt“

– sprach er und ward verschwunden.

Wir konnten es kaum glauben, so ein nobles Hotel hatten wir auf der ganzen Reise nicht. Alles strahlte im sauberen Weiß und jeder hatte ein riesiges Bett für sich. Es gab Kabel-TV, Wifi und seit Ewigkeiten mal wieder eine Klimaanlage. Wir sind im Himmel!

-“Man muss das mal so sehen, die letzte Zeit hatten wir entweder gecampt, die Nacht in einem ranzigen Schuppen bei 38°C oder in einem Puff-Hotel mit quietschendem Ventilator verbracht.“

Das jedoch war für uns wie ein Sechser im Lotto oder wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen! 🙂

Nach dem wir uns im hauseigenen Restaurant bescheiden satt aßen, holte uns Silvio wie versprochen ab. Doch an statt uns die Gegend zu zeigen, fuhren wir direkt zu einer sich noch im Bau befindenden Kirche.

„Mist; da war der Haken“ 🙂

Wir wurden allen höflichst vorgestellt und dann zu unseren Plätzen gebracht. Die Hände zum Himmel, einige auf ihren Knien, begrüßten wir gemeinsam unter lauter Musik und schrägem Gesang den Allerheiligsten. Dann war der Pastor dran; in einer nervenaufreibenden, vor Energie geladenen, emotionalen Geschichte ging er bis ans Maximum und brüllte aus voller Brust auf das vor Ehrfurcht zitternde Mikro ein, um selbst den letzten Zweifler hier zu überzeugen.

Schließlich waren die beiden Neulinge dran. Wir wurden nach vorn ans Pult geholt und bekamen die besondere Ehre, von der gesamten Gemeinschaft gesegnet zu werden. Der Pastor und sein Gehilfe legten uns die Hände auf den Kopf und begannen, während der Rest der Leute die Hände in unsere Richtung gestreckt hatten, mit der ebenso energiegeladenen „Teufelsaustreibung“…ähhh ups, Segnung. 🙂

Zufrieden und gesegnet ließen wir danach mit Silvio und seiner Familie den Abend im Restaurant ausklingen.

„Warum hast du uns eigentlich so großzügig eingeladen?“ -wollten wir wissen.

„Finanziell geht es mir heute gut, ich besitze über 3000000 Hühner, aber das war nicht immer so. Dank Gott, hatte ich viel Glück in meinem Leben, deshalb versuche ich nun ein bisschen davon zurück zugeben.“

Die Nächsten Tage laufen ziemlich ähnlich ab; früh aufstehen, und später, in übertriebener Hitze Kilometer schrubben. Aber wir lernen ein Typen kennen der mit 3 Pferden von Kanada nach Brasilien reitet. Die Tapis sagen RESPEKT.

Über Acayucan, Coatzacoacos und Villahermosa kommen wir nach Palenque. Dort angekommen fahren wir gleich samt Gepäck auf den Rädern, zu der berühmten Majastätte, denn wir wollten unbedingt ein Foto mit den Tapi-Bikes vor den Ruinen haben. Am Eingang des Nationalparks können wir noch unsere Überredungskunst nutzen und kommen umsonst rein. Dann stehen wir jedoch vor dem zweiten Ticketschalter. Wir versuchen es mit Tricks, Schmeicheleien und frei erfundene Geschichten; wir lassen sogar die Direktorin kommen, der wir erzählen, dass wir eine Dokumentation drehen, in der unsere Fahrräder vor den Majaruinen stehen sollen. 🙂

Doch es half alles nichts, die Direktorin freute sich zwar, dass das „Fernsehen“ da war, blieb aber in ihrer Entscheidung stur. Also ging es für uns nur zu Fuß weiter.

Tapinambur erforscht das Reich der Maja.

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