Pantomime-Spiel in Mexiko

31. Januar bis 12. Februar 2013

Gesamt Kilometer:          3477 KM
Laengste Strecke:           77,4 KM
Platten Statistik:                    8

Irgendwo in Mexiko,… nicht ganz. Wir sind auf der Landzunge Baja California die sich im Nord-Westen des Tequila-Landes befindet. Um eine Kurzbeschreibung über die Gegend zu geben reichen eigentlich 2 Worte: Staub und Kakteen und beides reichlich. In Amerika meinte Jemand zu uns, „ihr wollt nach Baha? Dann nehmt euch mal ordentlich Flickzeug mit“! Aus heutiger Sicht würden wir sagen das war noch untertrieben, denn unsere 3 1/2 Packungen reichten geradeso bis zur Hälfte wobei Dani sich den Titlel des „Flicken-Königs“ regelrecht hart erarbeitete.

 „Hallo, ähh… suchen Platz,…ähh… Camping? hier wir dürfen?“

In der Mimik des uns Gegenüber lassen sich deutliche Fragezeichen ablesen!

Unserem Spanisch scheint wohl doch noch die nötige Praxiserfahrung zu fehlen, also schwenken wir um und probieren in klassischer Scharade-Manier mit Händen wie Füßen darzustellen was wir eigentlich von ihm wollen! Als nach 5 Minuten Pantomime-Spiel immer noch kein Zeichen der Erleuchtung zu erkennen ist, brechen wir ab und lassen ein nun noch mehr verwirrten Mexikaner mit einem freundlichen „Adios“ wieder mit sich allein.Wenig später findet sich dann jedoch auch ohne Auskunft eine Übernachtungsgelegenheit.

Die Hähne auf dem Campingplatz bei Santo Tomas wecken uns in aller früh. Aus dem Schlaf gerissen öffnen wir erst ein Auge, dann das Andere. Ohne Zelt, liegen wir eingerollt wie 2 Burritos in unseren Schlafsäcken und schauen zu wie die Sonne langsam über die Wipfel der Bäume blinzelt.

Als die auf uns wie gesprenkelten Tautropfen von den wärmenden Lichtstrahlen erfasst werden, verwandeln sie sich vor unseren Augen zu kleinen Rauchschwaden die sich ganz langsam in Richtung Himmel verflüchtigen. Theaterreif, und wir sitzen in der ersten reihe! 🙂

El Rosario ist so ziemlich der letzte Flecken Zivilisation nachdem ein Schild darauf verweist das man für die nächsten 318km nicht mehr viel erwarten kann. Wie der glückliche Zufall so will, treffen wir auf Daniel und Bill, zwei Biker im Rentenalter mit denen wir uns so gut verstehen, dass sie uns bevor es ins „Outback“ geht, beiden eine Henkersmahlzeit spendieren.

Die Baha zeigt sich als ein Ort der Extreme, nachts ist es so kalt das wir am Morgen Eis lutschen statt Wasser trinken und am Tage ist es so heiß das die Sonne die Hirnflüssigkeit unter der Haube zum kochen bringt.

„Ey man, you got a Peso?“

Eine echte Berühmtheit steht vor uns, dieser Typ ist jedoch nicht berühmt weil er J.D. Rockefeller seinen Namen abgekauft hat und nur er sich jetzt so nennen darf oder weil er Mc Donalds, Walmart, Rollschuhe, Bleistiftanspitzer, das Duncon Yo-Yo sowie den Hula-Hoop erfunden hat. Auch das er Songs für die Beach Boys, Michel Jackson oder die Beatles geschrieben hat, Häuser in Brazilen, Hong Kong, in der Schweiz als auch in den USA besitzt und ein Freund von Bruce Lee, Madonna und Mike Jaga ist macht ihn nicht so besonders! Sondern das „Mr. Got A Peso“ wie die Einwohner des Wüstendorfs Catavinia ihn nennen, schon seit 15 Jahren am örtlichen Minimarkt steht, jeden nach einem Peso fragt und nebenbei den Unwissenden hartnäckig seine Lebensgeschichte erzählt, die noch weit aus mehr zu bieten hat als die bereits erwähnten „kleinen“ Ausschnitte.

Als hätten wir nicht schon genug Prominenz für einen Tag getroffen, teilen wir die Nacht unser Zimmer mit dem Schauspieler Adam Karst, der mit seinem Motorrad ziemlich verfroren in Catavinia ankommt. Doch die „Die Tapi-Engel auf Wohlstandstour“ zögern nicht lange und treiben dem fröstelnden Adam mit heißen Tee und einer warmen Mahlzeit die Wärme zurück in den Körper.  🙂

Guerro Negro ist wie ein Hafen für uns, als währen wir 2 Seefahrer, die wochenlang über die Meere der Welt schipperten und nun ausgehungert und verdreckt wieder Land unter die Beine bekommen. Während wir uns um eine Bleibe für die nächsten Tage bemühen, brüllt plötzlich eine etwas überschwänglich, kräftige Stimme aus einigen Metern Entfernung zu uns rüber.

„Heyyy,… sprecht ihr Englisch? Ihr seit doch die Deutschen oder? Endlich hab ich Euch gefunden!“

Ein Baum von einem Kerl mit zum Zopf gebundenen Dreadlocks und einem Bart wie Rubeus Hagrid (aus Harry Potter) persönlich steht nun direkt vor uns. Paul erklärt, dass er uns schon seit Ensenada verfolgt, da er aber Probleme mit seinem Fahrrad hatte, nahm er einen kleinen Lift und war dadurch vor uns in der Stadt. Wir verstehen uns super mit dem Kanadier, der mit seinen 24 Jahren 3 Sprachen spricht und seinen Lebensunterhalt damit verdient, sich in der Wildnis des Bären-Landes mit einem Helikopter aussetzen zu lassen, um dort Bäume zu pflanzen.

Da Paul mindestens genauso viele Geschichten auf Lager hat wie wir radeln wir von nun an zu dritt durch die atemberaubende Wüstenlandschaft.

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