Der „Alles-scheißegal-Tag“, Neujahr ist teuer!

27. Dezember 2012 bis 01. Januar 2013

Gesamt Kilometer:          2112 KM
Laengste Strecke:          71,67 KM
Platten Statistik:                    2

Als die Nacht über uns hereinbricht, wird es schlagartig eiskalt! Unsere verschwitzten, nassen Klamotten ziehen uns zusätzlich die Wärme aus den vom Tag geschunden Körpern. Nicht wissend, wo wir heute schlafen, irren wir ziellos durch Carmel, dem schickimicki Ort schlechthin. Einen Campingplatz oder Hostel gibt es hier nicht und die günstigeren Unterkünfte fangen bei 110$ an, eine Mausefalle!

In einem Shop bekommen wir schließlich Hilfe von Jeannie die via Internet versucht heraus zu bekommen, wo wir hin können. Nach dem ihr klar wird, dass wir gestrandet sind, schlägt sie vor uns nach Feierabend zum 20 km entfernten Campingplatz von Monterey zu bringen…2x!

Tapinambur, die Welt ist gut Tour!!! Danke Jeannie! 🙂

Wie zwei chilenische Bergziegen klettern wir am nächsten Morgen aus dem im Tal liegenden „Veteran´s State Park“ und finden nach einigen Umwegen endlich zurück auf den Highway 1.

Unterwegs lernen wir Hugo kennen, einen Hersteller von hochwertigen Pflegeprodukten, der uns kostenfrei mit seinen „natural-care-creams“ ausstattet wie Püppies ihre Badezimmerablage. Wir sehen zwar aus wie die Yetis, aber haben jetzt wenigstens die passenden Cremes für jeden Hauttyp! 🙂

Der „Hike and Bike Campground“ des Pfeifer State Park ist tief, zwischen riesigen, uralten Redwoodbäumen gelegen. Nur wenig Licht dringt durch die dichten Kronen hinunter auf den matschigen Boden. Es riecht wunderbar moosig, aber es ist nass und kalt!

Die Nacht war ziemlich unschön, unsere Schlafsäcke hatten ihr Temperaturgrenzen erreicht und wir wahren gezwungen alles anzuziehen, was wir besaßen.

Es ist Früh um 6, unsere verfrorenen Hände umklammern wohlwollend die dampfenden Kaffeetassen und die Seelen freuen sich auf warmen Haferschleim. Nachdem wir nur schwerfällig unser Sachen sowie das Zelt zusammengepackt haben, braucht es viel Überwindung die noch nass geschwitzten Klamotten vom Vortag wieder anzuziehen, allerdings hatte sich damit wenigstens die Müdigkeit erledigt!

Der „Big Sur“ ist ein ca. 100km langer Küstenabschnitt, der uns vorbei an schroffen Felsen und über hohe Berge führt. Vor uns liegt eine Wahnsinns Landschaft, die ein Gefühl von Freiheit in uns aufkommen lässt. Entlang der Strecke sehen wir Robben, Wale und Seeelefanten, die sich hier und da ganz ungeniert, dem gaffenden Pöbel zeigen.

Am Berg werden wir oft mit Hupkonzerten unterstützt! Viele Leute quatschen uns an und sprechen ihren Respekt aus, eine von ihnen ist Shannon, die dem Tapi-Team ohne zu zögern ein Schlafplatz in San Diego zusichert.

Die Berge verschwinden langsam, die Straße streckt sich und wir bekommen mehr Platz. Es ist der 31.12.2012, wir wollen unbedingt nach Cambria, die erste Anlaufstelle seit 160Km. Tapinambur tritt ordentlich in die Pedale, da keiner von uns Lust hat Silvester auf der Straße zu feiern.

Im State Park von San Simeon bauen wir nur unser Zelt auf, dann radeln in den 5 km entfernten Ort zum Feiern. Das Glück lässt uns auch hier nicht im Stich, zwei Fahrradbegeisterte Pärchen erkennen unsere Tapi-Räder und laden uns in einer Bar, spontan auf einen Burger und zwei Biere ein. Der Silvesterabend endet heiter, lustig in einer Minibrauerei mit Liveband. Hier lernen wir einen echten Texaner kennen, der gefühlte 1000 Mal seinen, durch Kautabak dunkel verfärbten Speichel vor uns auf den Boden klatschen lässt. 🙂

01.01.2013, irgendwie waren wir noch nicht müde vom Feiern, mit 2 fetten Zigarren beginnen wir gegen Mittag, mit dem womit wir den vorherigen Abend beendeten,… Rum-Cola-Limetten! 🙂

Schon gestern sollte eigentlich mal wieder ein richtiges Steak auf den Tisch. Doch diesmal ist es soweit, heute ist der:

„Alles-scheißegal-Tag“!

Kein gutes Zeichen für unsere Reisekasse! Plötzlich sitzen wir mit unseren etwas verdreckten  Universalklamotten und unter leicht pikierten Blicken, im besten Restaurant der Stadt. Nach einer Vorspeise, einem Hauptgang, einem Dessert und einem Flug über die Weinkarte, sowie einer extra Flasche Shiraz, verabschieden wir uns gut gelaunt, mit einer Gesamtrechnung von 180$ + Trinkgeld, um danach wieder zurück in unser 2-m²-Zelt im Nationalpark zu kriechen.

Der Gegensatz könnte nicht größer sein! 🙂

Weitere Bilder hier

 

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