Kopfüber im Müllcontainer, good-bye USA

10. bis 30. Januar 2013

Gesamt Kilometer:          2816 KM
Laengste Strecke:           99,2 KM
Platten Statistik:                    3

Eine dunkle Gestalt huscht zwischen den wenig beleuchteten Gassen Long Beachs/ LA hin und her, ein Hund springt unerwartet an einen Zaun rauf und runter, fletscht die Zähne, am liebsten würde er zubeißen! Das Blaulicht einer patrouillierenden Polizeistreife wird ein paar Blocks weiter an die Wände der dicht aneinander stehenden Gebäude geworfen. Ein Rütteln an einem Tor, ein blechernes Klappern einer Abfalltonne, ein kurzes Licht flackert auf,… „nichts“!

Fabi probiert sich in dieser Nacht zum ersten Mal beim so genannten „Dumpster diving“, bei dem man versucht noch gut essbare Lebensmittel aus Müllcontainer von Supermärkten oder Bäckereien etc. zu bergen,… es bleibt beim Versuch. 🙂

Auf dem Weg aus der Stadt findet sich ein Rei-Outdoor-Shop in dem wir uns jeder ein Leatherman-Messer, sowie einen wärmeren Schlafsack besorgen.

In völliger Dunkelheit erreichen wir nach knapp 100Km den Doheng State Park und werden dort gleich von einer netten Familie zu Hot Dog, Marshmallow-smores (ein gerösteter Marshmallow sowie Schokolade zwischen 2 Kekse gepackt) und Bier an ein wärmendes Feuer geholt.

Es hätte nicht besser kommen können, die Nacht war so eisig, dass am Morgen das Wasser in unseren Trinkflaschen gefroren war, diesmal wachen wir jedoch mit einem fetten Grinsen auf. Nur im T-Shirt liegen wir in den immer noch supermolligen neuen Schlafsäcken, ein guter Kauf!

In Carlsbad kommen wir bei RE-Reconstruktions unter, eine Baufirma in der Shannon arbeitet die wir 400Km vorher, auf dem Big Sure kennenlernten. Ihr Chef Paul stellt uns ein ausgebautes Hinterzimmer mit Bad zur Verfügung, in dem wir wiedermal länger blieben als geplant. Noch im Halbschlaf schlürfen wir morgens an den schon besetzten Schreibtischen der Mitarbeiter vorbei, zur Kaffeemaschine und dann zu unserm eigenen um zu frühstücken.

„Morning,..morning,.. morning,…heyyy,… morning.“

Schon bald waren wir, wie so oft „the Germans“ 🙂 Doch wir verstehen uns super mit allen. Von Erika, die ebenfalls hier arbeitet, werden wir auf eine mexikanische Tamales-Party (Tamales= gefüllte Mais-Teig-Rolle) eingeladen, Paul nimmt uns zu Pizza und Bier in eine Mikrobrauerei und Shannon unternimmt so gut wie jeden Abend etwas anderes mit uns, Klettern, Kochen, Stadtbummel, das volle Programm.

Auf einer Homeparty von Shannons Freund Robert, lernen wir unter anderem Greg kennen, ein Musiker, der einen unserer Songs lauscht und danach meint wir sollten bei ihm im Studio vorbeikommen, um das aufzunehmen. Gesagt getan, ein paar Tage später steht Tapinambur mit Ukulele und Mundharmonika im nagelneuen Tonstudio von Aaron Hall um zum ersten Mal ihren Song Daydreaming zu Rekorden, alles zum Nulltarif.

Danke an Greg Kester und Aaron Hall!

Nur schweren Herzens beschließen wir nach 2 Wochen weiter zu ziehen und verabschieden uns von allen lieb gewonnen Leuten, danke für alles!!!

Zu guter Letzt brachten uns Shannon dann auch noch über die mexikanische Grenze bis nach Ensenada.

Damit sagen wir,……good-bye USA und …bienvenidos en Mexico!!! 🙂

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Dude,… what i need,.. is a fucking Bicycleshop, zurück in LA

02. bis 09. Januar 2013

Gesamt Kilometer: 2524 KM
Laengste Strecke: 122,2 KM
Platten Statistik: 3

Der alte Mann schaut uns, über seine Brille, tief in die Augen; die Brauen gehoben, die Stirn in Falten gelegt, bevor er anfängt zu erzählen macht er eine kleine Pause…

„Dude,…ich bin von Jacksen Ville/ Florida,… über DREITAUSEND MILEN,… quer durch die Staten,… bis hierhergefahren,… auf meinem Fahrrad!!!“

Clancy ist 59 Jahre alt, war völlig am Ende und hat, neben seiner erstaunlichen Leistung ein kleines Problem. Seit 100 Meilen ist er nun schon mit 7 Speichen weniger unterwegs, er konnte zwar die Restlichen so anordnen das, das Rad seine Funktion erfüllte, doch so konnte es nicht weiter gehen…

“Dude,… what i need,… is a FUCKING BICYCLESHOP!!!“

Wo er herkam hatten alle Fahrradläden geschlossen und in unserer Richtung kam 160km erst recht keiner. Es hilft nichts, Clancy muss zurück! Während er sich im Schneckentempo dem Horizont entgegen zittert, schauen wir uns grinsend an,…“Dude,… wie hat der denn so, eine solche Strecke bewältigt!?!“ Clancy, du hast unseren Respekt!!! 🙂

Von der Morro Bay nach Lompoc sollte unsere bisher weiteste Tour werden, auf den 122 km müssen wir ganz schön ranklotzen, es ist zwar relativ flach aber leichter Gegenwind erschwert das Vorankommen. Die Tapi-Räder entfernen sich mehr und mehr von der Küste und rollen nun landeinwärts, vorbei an riesigen Ackerflächen auf denen überwiegend lateinamerikanische Einwanderer die harte Arbeit verrichten und durch kleinere Ortschaften, die wohl auch schon vor der Wirtschaftskrise so ihre Probleme hatten. Die Sonne steht tief und hat sich bereits goldgelb verfärbt, es findet sich weder ein offizieller Campingplatz, noch eine andere Möglichkeit sich zu verstecken, jedoch treffen wir ein Pärchen Franzosen die von Las Vegas aus, mit 2 sehr klapprigen Fahrrädern“ wie die Zigeuner loszogen und auf dem Weg nach San Francisco waren. Eins haben wir bisher auf unserer Reise gelernt,… die Franzosen legen immer eine Schippe drauf! 😉

Es ist stockdüster und mittlerweile bitterkalt, als wir den Riverpark Campground erreichen, doch ein wärmendes Feuer sowie Mobdro Download App ein leckeres Bier wissen die Gemüter zu besänftigen.

Gaviota State Park: geschlossen! Der Campingplatz wirkt wie ausgestorben, nur Herb der Platzwart und Steve der Kioskverkäufer, der seine letzten Saisontage hatte, hielten hier die Fahne hoch. Als Radler durften wir trotzdem unser Zelt aufstellen. Vom nah gelegenen Pier können wir neben den zahlreichen Anglern auch einige Robben und Delfine aus nächster nähe beobachten.

Der Morgen bringt Regen mit sich, also verbringen wir den gesamten nächsten Tag mit Steve im Kiosk. Während er uns beibringt, wie man Domino spielt, luchsen wir ihm alle möglichen Fressarien für einen schmalen Taler ab. Am Abend lässt er dann noch eine Familienpizza und Spaghetti mit Fleischbällchen springen, danach kippen wir nur noch kugelrund in die Koje.

Das Highlight in Santa Barbara ist für uns Methew, neben der wirklich schönen Stadt, macht dieser Typ unseren Tag. Er erzählt, dass er vor einigen Jahren von Aliens entführt wurde und seither viel mehr Inspiration hat; seine Berufung?!? Künstler! 🙂

In einem von Venturas „Pawnshops“(An-und Verkauf), feilschen wir was das Zeug hält. Wir bekommen für Fabi ein Stativ und für Dani endlich seine lang ersehnte Gitarre. Bleibt nur noch das Problem wie man das Instrument auf das Fahrrad bekommt!

Beim Mac Grath State Park Frühstücken wir am Strand, vor uns liegt das Meer und direkt neben uns eine gestrandete Seerobbe, die von den Mobdro Kodi Parkrangern in einem Viereck aus rotem Absperrband gerahmt, und mit Schildern wie, “Wildlife dont touch!” versehen wurde.

Nach 900Km erreichen wir endlich Malibu Beach. Für die Strecke San Francisco nach Los Angeles brauchen wir mit Weihnachten und Silvester um die 20 Tage, Tage in denen wir die kalifornische Küste gesehen, sowie gespürt haben.

Nach den vielen Nächten im Zelt lassen wir uns diesmal in einem Hostel direkt am Vince Beach nieder und genießen im „Dennys“ einen hervorragenden Burger bei Dreißiger Jahre Musik.

Der „Alles-scheißegal-Tag“, Neujahr ist teuer!

27. Dezember 2012 bis 01. Januar 2013

Gesamt Kilometer:          2112 KM
Laengste Strecke:          71,67 KM
Platten Statistik:                    2

Als die Nacht über uns hereinbricht, wird es schlagartig eiskalt! Unsere verschwitzten, nassen Klamotten ziehen uns zusätzlich die Wärme aus den vom Tag geschunden Körpern. Nicht wissend, wo wir heute schlafen, irren wir ziellos durch Carmel, dem schickimicki Ort schlechthin. Einen Campingplatz oder Hostel gibt es hier nicht und die günstigeren Unterkünfte fangen bei 110$ an, eine Mausefalle!

In einem Shop bekommen wir schließlich Hilfe von Jeannie die via Internet versucht heraus zu bekommen, wo wir hin können. Nach dem ihr klar wird, dass wir gestrandet sind, schlägt sie vor uns nach Feierabend zum 20 km entfernten Campingplatz von Monterey zu bringen…2x!

Tapinambur, die Welt ist gut Tour!!! Danke Jeannie! 🙂

Wie zwei chilenische Bergziegen klettern wir am nächsten Morgen aus dem im Tal liegenden „Veteran´s State Park“ und finden nach einigen Umwegen endlich zurück auf den Highway 1.

Unterwegs lernen wir Hugo kennen, einen Hersteller von hochwertigen Pflegeprodukten, der uns kostenfrei mit seinen „natural-care-creams“ ausstattet wie Püppies ihre Badezimmerablage. Wir sehen zwar aus wie die Yetis, aber haben jetzt wenigstens die passenden Cremes für jeden Hauttyp! 🙂

Der „Hike and Bike Campground“ des Pfeifer State Park ist tief, zwischen riesigen, uralten Redwoodbäumen gelegen. Nur wenig Licht dringt durch die dichten Kronen hinunter auf den matschigen Boden. Es riecht wunderbar moosig, aber es ist nass und kalt!

Die Nacht war ziemlich unschön, unsere Schlafsäcke hatten ihr Temperaturgrenzen erreicht und wir wahren gezwungen alles anzuziehen, was wir besaßen.

Es ist Früh um 6, unsere verfrorenen Hände umklammern wohlwollend die dampfenden Kaffeetassen und die Seelen freuen sich auf warmen Haferschleim. Nachdem wir nur schwerfällig unser Sachen sowie das Zelt zusammengepackt haben, braucht es viel Überwindung die noch nass geschwitzten Klamotten vom Vortag wieder anzuziehen, allerdings hatte sich damit wenigstens die Müdigkeit erledigt!

Der „Big Sur“ ist ein ca. 100km langer Küstenabschnitt, der uns vorbei an schroffen Felsen und über hohe Berge führt. Vor uns liegt eine Wahnsinns Landschaft, die ein Gefühl von Freiheit in uns aufkommen lässt. Entlang der Strecke sehen wir Robben, Wale und Seeelefanten, die sich hier und da ganz ungeniert, dem gaffenden Pöbel zeigen.

Am Berg werden wir oft mit Hupkonzerten unterstützt! Viele Leute quatschen uns an und sprechen ihren Respekt aus, eine von ihnen ist Shannon, die dem Tapi-Team ohne zu zögern ein Schlafplatz in San Diego zusichert.

Die Berge verschwinden langsam, die Straße streckt sich und wir bekommen mehr Platz. Es ist der 31.12.2012, wir wollen unbedingt nach Cambria, die erste Anlaufstelle seit 160Km. Tapinambur tritt ordentlich in die Pedale, da keiner von uns Lust hat Silvester auf der Straße zu feiern.

Im State Park von San Simeon bauen wir nur unser Zelt auf, dann radeln in den 5 km entfernten Ort zum Feiern. Das Glück lässt uns auch hier nicht im Stich, zwei Fahrradbegeisterte Pärchen erkennen unsere Tapi-Räder und laden uns in einer Bar, spontan auf einen Burger und zwei Biere ein. Der Silvesterabend endet heiter, lustig in einer Minibrauerei mit Liveband. Hier lernen wir einen echten Texaner kennen, der gefühlte 1000 Mal seinen, durch Kautabak dunkel verfärbten Speichel vor uns auf den Boden klatschen lässt. 🙂

01.01.2013, irgendwie waren wir noch nicht müde vom Feiern, mit 2 fetten Zigarren beginnen wir gegen Mittag, mit dem womit wir den vorherigen Abend beendeten,… Rum-Cola-Limetten! 🙂

Schon gestern sollte eigentlich mal wieder ein richtiges Steak auf den Tisch. Doch diesmal ist es soweit, heute ist der:

„Alles-scheißegal-Tag“!

Kein gutes Zeichen für unsere Reisekasse! Plötzlich sitzen wir mit unseren etwas verdreckten  Universalklamotten und unter leicht pikierten Blicken, im besten Restaurant der Stadt. Nach einer Vorspeise, einem Hauptgang, einem Dessert und einem Flug über die Weinkarte, sowie einer extra Flasche Shiraz, verabschieden wir uns gut gelaunt, mit einer Gesamtrechnung von 180$ + Trinkgeld, um danach wieder zurück in unser 2-m²-Zelt im Nationalpark zu kriechen.

Der Gegensatz könnte nicht größer sein! 🙂

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Pasta alla Toilette, auf dem Weg nach Santa Cruiz

21. bis 27. Dezember 2012

Gesamt Kilometer:          1794 KM
Laengste Strecke:            35,5 KM
Platten Statistik:                    1

Das Geräusch des tröpfelnden Regens auf der Zeltplane dringt in den Schlaf und lässt uns erwachen. Wir bleiben liegen, greifen unsere Bücher und verbringen so fast den gesamten Tag auf dem „Half Moon Beach Campingplatz“. Die Wetterbedingungen zwingen uns unsere mobile Tapi-Küche im geräumig wirkenden Behindertenklo aufzubauen. Wir genießen die Pasta Aglio e Parmesan, direkt auf dem Boden, neben der Toilette. Lecker 🙂

Bei etwas besseren Wetterbedingung und einem weiteren Platten für Dani gelangen wir am nächsten Tag zum „Pigeon Point Lighthouse Hostel“. Das Highlight dort ist neben dem beträchtlichen Leuchtturm, ein blau beleuchteter Whirlpool mit Blick auf die heran rollende Brandung.

Heute ist der 23.12.2012, der vorher angekündigt Sturm wütet mit voller Aggression und schmeißt Millionen von Regentropfen gegen die Fensterscheibe. Mit ungläubigen Blicken starren wir nach draußen,… Scheiße! Wir haben keine Wahl, erstens hatten wir uns für die Feiertage schon ein Motel in Santa Cruz gebucht, und  zweitens gab es hier weit und breit nichts was auch nur annähernd wie ein Supermarkt aussah; „wir müssen fahren“!

Umhüllt als menschliche Kondome, trotzen wir dem Unwetter wie es schon die alten Seefahrer taten, nur ohne Boot,…also mit Fahrrad quasi! 🙂

2 Stunden kämpfen wir uns auf gerader Strecke, im ersten Gang gegen den Wind und den Dauerregen während uns ein Schweiß-Wasser-Mix kinnhoch in unseren Kleidern steht. Wir schafften gerade mal 10 Meilen und hatten noch 25 weitere vor uns.

Am Strand sehen wir 2 Typen mit ihrem Hund spazieren.

„Wer geht den bei so einem Scheißwetter mit seinem Hund an den Strand?“

Wie sich raus stellte dachten die Beiden ähnliches und boten an, uns mit nach Santa Cruz zu nehmen. Eine halbe Stunde später standen wir immer noch durchnässt und verfroren in der Lobby unseres Motels.

„Hallo, wir würden gerne einchecken!“

„Ist nicht Möglich, erst ab 3 Uhr!“

Es war um Eins!

„Könnten wir evtl. hier warten, uns ist kalt?“

„Nein das ist nicht möglich.“

„Ok wo denn dann?“

„in der Picknickarea“

„Ahja,wo ist die denn?“

Der Mexicanische-Hausdrache zeigte nur mit dem Finger auf zwei Bänke im Regen und verschwand während wir uns umdrehten heimlich im Hinterstübchen!???

Zu geschwächt um uns Aufzuregen, verbringen wir die Wartezeit in einem nah gelegenen Pub danach bekommen wir endlich unseren Schlüssel.

Um dem Supergau noch einen drauf zusetzen, werden wir beim Spirituosen Kauf gefragt ob wir schon 21 sind. Wir zeigen unseren Führerschein und sagen das wir es gut finden das er fragt, aber…, „Wir sind schon weit drüber!

Er nickt freundlich, und meinte es reicht trotzdem nicht, er bräuchte unseren REISEPASS. Diesmal hatten wir mehr Kraft zum Streiten. 🙂 „Digga rück den Alk raus, es ist Weihnachten!“…

… 5 Minuten später verlassen wir den Laden nur mit 3 Liter Cola, Süßigkeiten und Chips  🙁

Neuer Laden neues Glück. Endlich!

Die nächsten 3 Tage sind nur zum schlemmen und entspannen da.

Mögen die Feiertage beginnen!

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