Abenteurer brauchen Abenteuer um Abenteurer zu sein! Abseits des mexikanischen Asphalts.

27. Februar bis 02. Maerz 2013

Gesamt Kilometer:          4090 KM
Laengste Strecke:           46,2 KM
Platten Statistik:                    16

Es ist schon spät als wir uns von Loretto entfernen, den Highway 1 verlassen, und auf die zu den Bergen gerichtete kleine Straße nach San Javier abbiegen. Ein Weg der uns quer durch das Outback bis zum Highway 53  und später, nach Constitucion führen soll.

Es braucht keine 3 Km da müssen wir das erste Mal halten, in Danis Hinterreifen steckt mal wieder ein gewaltiger Dorn. Die Strecke hat es in sich, bei Temperaturen von 39°C und Steigungen von bis zu 20 Prozent schwitzen wir literweise Wasser, auf den 35km machen wir ordentliche 806 Höhenmeter.

Von ein Paar Geiern begleitet, die in 2 leckeren Radlern anscheinend schon ihre nächste Mahlzeit wittern, fühlen wir uns bald wie in Karl Mays Winnetou versetzt. Ringsherum sind hohe, rot-schorfige Felsen; trockene, Kakteen gesäumte Flächen und ein Goldgräberfluss, der sich durch tiefe Schluchten schlängelt.

San Javier erscheint surreal, da der blumenreiche, kolonialistische Hauptplatz an dessen Ende die zweitälteste Kirche Baja Californiens steht, einen krassen Kontrast mit der zuvor durchquerten Landschaft bildet.

Verfolgt von mehreren Hunden und lachenden Kindern, rollen wir langsam die mit Orangenbäumen verzierte Pflastersteinstraße entlang, während uns der sichtlich gelangweilte, in seinem Stuhl zurückgelehnte Dorfsheriff vor seiner heruntergekommenen Polizeistation argwöhnisch beäugt. Direkt neben dem Revier steht sein Polizeiwagen; Plattfuß!

“Allzeit bereit“!  🙂

Im Kulturzentrum des Dorfes lernen wir einen netten älteren Herrn kennen, der uns in seinem Garten kampieren lässt und unsere Wasserflaschen für den Weg durch die Wüste füllt.

Mit einem letzten Blick auf die sanft in Morgenlicht getauchte Stadt, verlassen wir endgültig die asphaltierten Straßen und holpern nun über die grobsteinigen Schotterpisten der Wildwestern Landschaft, die erste Belastungsprobe für die bisher unanfälligen Kogabikes.

Die Sonne knallt erbarmungslos auf uns herab und durch das viele Gestucker sowie die mit Wasser schwer beladenen Räder kommen wir nur langsam voran. Schultern, Nacken sowie die Hände brennen, schmerzen mit der Zeit.

Immer wieder durchqueren wir kleine oder größere Flussbetten wodurch wir erst nasse Füße bekommen und dann im feinstaubigen Sand quasi gefedert werden.

„KLIP KLAP, KLIP KLAP“

…ein einsamer Cowboy kreuzt unseren Weg, nach einem freundlichen „Buenos Dias“ bleibt er stehen und schaut uns ungläubig hinterher.

„Verrückte Gringos“!!!

Nach 4 Stunden im Sattel und einem Schnitt von 10,9 km/h haben wir genug, wir finden eine kleine Farm, von der aus, durch hohes Gestrüpp eine wunderschöne Lagune zu erkennen ist.

Auf Anfrage lässt uns die freundliche, greise Besitzerin direkt am Wasser zelten.

Überschwänglich stürzen wir unsere verschwitzten, ausgelaugten Körper in die willkommene Abkühlung währenddessen wir ein Panorama bekommen, das alle Anstrengungen zuvor vergessen lässt. In diesem Moment, kann das Leben nicht schöner sein!

Als wir das Abendessen bereiten, taucht auf einmal der über beide Wangen strahlende, klein geratene Hektor aus einem Busch auf und begrüßt uns mit offenen Armen.

Sichtlich begeistert über die hochgewachsenen Fremden, scheint der ältere Herr seine Freude über unseren Besuch kaum verstecken zu können, immer wieder klopft er uns zustimmend mit einem lachen auf die Schultern.

Während die Nacht den Tag verdrängt, sitzen wir zusammen am Lagerfeuer, trinken Tee und erklären einander durch zusammengewürfelten Wortfetzen, die verschiedenen Welten in denen wir leben.

Zum Frühstück entsprang Hektor wieder dem Busch, er wolle uns sein Haus zeigen.

Die Räder fertig gepackt, standen wir nun vor einer halb eingefallenen Bretterbude, deren Seitenwände mit alten Stofffetzen behangen waren und deren Vordach sich irgendwann einmal der zerstörerischen Kraft eines Sturmes beugen musste.

Nachdem wir mit eingezogenem Kopf durch die Türschwelle treten, präsentiert uns Hektor voller Stolz sein Eigenheim.

Kleine Lichtstrahlen schießen an mehreren Stellen durch die Decke; in der Ecke stapeln sich mit Saatgut gefüllte Kartons; ein Betonfleck, auf dem ein Fass Wasser steht deutet die Dusche an und in dem aus altem Kakteenholz hoch gebauten Bett schlummert seine Katze und Beste Freundin Ginger.

Als er in einer großen Kiste kramt kommen wahre Schätze zum Vorschein;

Antike Pfeilspitzen früherer Ureinwohner, bunte Steine sowie Kristalle und ein Fläschchen reines Eisenpulver, das er mit einem Magnet sammelt.

Wir Fragen, ob er glücklich ist wie er lebt. Hektor antwortet, ohne zu zögern „JA“!

Wir verabschieden uns liebevoll und brechen auf, der Weg ändert sich, es wird zunehmend schwerer voranzukommen, da der Sand immer weicher wird.

Ein Pärchen auf einem Motorrad kommt vorbei;

„Jungs was macht ihr hier? Wir verfolgen eure Spuren schon den ganzen Tag und fragen uns wer hier mit Fahrrad durchfährt!“

„Tja, das sind dann wohl wir!“ 🙂

Noch 6 Km, völlig im Arsch sitzen wir unter einem kleinen Busch der gerade so viel Schatten bietet, dass unsere Köpfe darunter passen. Die letzten 8 km schoben wir die Tapi-Räder schweißtriefend durch den kochend heißen Wüstensand, darauf hoffend von der nächsten Anhöhe den Highway sehen zu können, doch wir entdecken NICHTS, nichts außer dieser endlosen Weite in die wir mit Anlauf hineingeritten sind.

Die Stimmung ist eher tragisch-komisch, als plötzlich ein Brummen in der Ferne auftaucht; ein Pickup!

„Holla Amigos, wollt Ihr mit?“

Es sind nur noch 5 Km die wir locker in 1 ½ bis 2 Stunden fertig schieben könnten, aber…

„JAAA, NEHMT UNS MIT!!!“

Danke!  🙂

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