In der Sendung “ZIBB” berichten wir von unserer Weltreise und wie wir zum Fahrrad gekommen sind.

Hervorgehoben

Auf dem Sofa von ZiBB hatten wir eine Menge Spaß mit Madeleine als wir ihr erzählen wie wir dazu kamen, mit dem Fahrrad um die Welt zu fahren.

 

Peru, mit 30 Kindern auf Zuckertrip

17. November bis 18. Dezember 2013

Gesamtkilometer:          10.800 KM
Längste Strecke:              60     KM
Plattenstatistik:                  35

Perus Berge haben wir inzwischen hinter uns gelassen, doch nun macht ein kräftiger Gegenwind das Vorankommen mühsam, das Sandpeeling fürs Gesicht gibt es gratis dazu.

Eigentlich hatten wir uns aufs Meer gefreut, aber richtig gute Stimmung will nicht aufkommen. Entlang der Panamerikaner sieht alles unfertig und trostlos aus, viele Häuser sind aus Sicherheitsgründen mit Gittern beschlagen oder vollkommen verriegelt. Auch die Leute sind scheinbar weniger freundlich oder besser skeptischer, desinteressierter als zuvor.
Es ist gefährlich hier, viele Räuber, klingt es ständig in unseren Ohren.

Dani schleppte sich die letzten Tage immer wieder mit Knieschmerzen rum, heute ist es besonders schlimm. Die Schmerzen werden so stark, dass er alle 5 Minuten anhalten muss.

„Hmm, so kommen wir nicht vorwärts!“

Ein einsamer Lockenkopf steht am Straßenrand und hält erfolglos den Daumen in die Luft. Eigentlich wollten wir uns 45 Km weiter im nächsten Ort treffen. Doch glücklicherweise hat Fabi gewartet, denn angehalten hatte keiner. Am Ende blieben wir wo wir waren und schlugen unser Zelt auf einem Hügel in einem halb fertigen Bungalow auf, der uns bei Sonnenuntergang eine fantastische Aussicht über das brausende Meer bot.

Am Morgen ist es mit Dani´s Knie noch das gleiche Spiel, so geht es nur sehr langsam nach Mancora. Kurz vor der Stadt strampelt uns der Kanadia Marc entgegen, der selber viele Jahre mit dem Rad unterwegs war und hier nun eine kleine Familie gegründet hat.

„Kommt Jungs, ihr schlaft heute bei mir!“

Auch bei Marc ist alles verrammelt und verriegelt, die Angst vor Einbrüchen ist hier allgegenwärtig. Wir fragen ob es hier wirklich so gefährlich ist, woraufhin uns der Kanadia eine Horror Geschichte nach der anderen erzählt. Auf dem Weg nach Trujllio, so sagt er, wurden schon viel Radler überfallen und es soll in einem Dorf sogar einen Scharfschützen geben, der auf Radler schießt.

Ist das jetzt Radlerlatein?¿?

Hmm,… im Moment wissen wir nicht wie es weiter gehen soll. Dani braucht dringend eine Pause und Therapie für sein Knie, auch spekulieren wir, bald noch einmal nach Australien zu fliegen um bei der Weinernte mitzuarbeiten. Wir müssen auf kurz oder lang ein Stück weglassen, Marcs Geschichten spielen dabei eher eine nebensächliche Rolle.

Schließlich entscheiden wir uns, die nächsten Tage einen Bus nach Trujillo zu nehmen, wo es das älteste Casa Ciclista (Heim für Fahrradfahrer) Süd Amerikas gibt und wir in Ruhe verschnaufen können. Trojillo hat auch einen Osteopathen, den Dani aufsuchen kann.

Die Nacht schlafen wir auf Marcs überdachtem Obergeschoss in einem für die Kinder aufgestellten Trampolin.

Heute ging es im Haus drunter und drüber, der jüngste der Familie hatte seinen Ehrentag, doch was hier für einen Vierjährigen veranstaltet wurde ist kaum zu glauben! Auf einer Länge von 4 Metern wurden riesige Schüsseln und Tabletts voll mit Kuchen, Keksen und anderem Süßkram aufgetischt, während ein extra engagierter Clown die knapp 30 Kinder auf Zuckertrip zu Höchstleistungen puschte. Dem nicht genug, wurde dann mit Knüppeln auf eine große Piniata eingeschlagen, bis diese übel zugerichtet, alle Bombons ausgespuckt hatte und das kriegerische Spektakel seinen Höhepunkt erreichte, in dem einige Mütter nun ebenfalls über den Boden robbten und gierig den Kiddis die Süßigkeiten vor der Nase wegschnappten. Zum Schluss bekam dann jeder Gast noch eine Tüte zum Mitnehmen, um auch noch die letzten Kariesbomben unter das Volk zu bringen.

Unser Bauch tut weh, doch Charly Wonkas wäre stolz gewesen! :-)

Am frühen Morgen erreichen wir die Stadt Trujillo, wo wir in das älteste und wohl berühmteste Casa Ciclista (Haus für Radler) Süd Amerikas hinein schlitterten und von Lucio dem Eigentümer herzlichst in Empfang genommen wurden. Momentan sind wir die Einzigen hier, so haben wir freie Bettwahl und richten uns schon mal häuslich ein. :-)

Nach kurzer Zeit kannten wir mal wieder die gesamte Nachbarschaft und wussten von wem wir beim Einkaufen die besten Preise bekamen oder wo es das beste Straßenessen gibt.

Die Pause ist nötig! Dani geht jeden Tag zur Massage oder zum Osteopathen, außerdem lernt er Fernando und seine Frau Rita kennen, die eine Chiropraxis mit Physiotherapie besitzen und ihn nicht nur kostenfrei behandeln, sondern auch einen Minijob geben. :-)

In der Zwischenzeit haben wir eine Email aus Australien bekommen, die unsere Weiterreise wieder entschleunigt. Leider brauchen sie uns nicht für die kommende Weinsaison in der Kellerei und somit entfällt nicht nur der rote Kontinent fürs erste, sondern auch die Aussicht auf eine fette Finanzspritze. :-( Naja zumindest können wir mit dieser Gewissheit Südamerika nun etwas entspannter angehen und brauchen nicht zu hetzen.

Im Radlerheim sind inzwischen viele Leute dazugekommen, unter anderem Martin der Österreicher, der uns mit seiner Kochkunst verwöhnte und der Kolumbianer David, der sich ein riesiges Fahrrad zusammen geschraubt hat, mit dem er nun unter Hilfe von Stelzen durch die Stadt fährt um eine kleine Show darzubieten und etwas Geld zu sammeln.

Es ist der erste Advent, in Trujillo herrschen 40°C und außer einem jammervoll dekorierten Plastikweihnachtsbaum im Zentrum der Stadt und etwas Lametta auf den umliegenden Laternen sind wir so weit weg von Weihnachtstimmung, dass Santa selbst, samt Schlitten und einer Horde Rentiere nichts mehr retten könnte. Wir müssen bald weiter!

Die Berge rufen, die Tapis folgen…

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Ecuador: Mitad del Mundo (der Mittelpunkt der Erde)

05. November bis 17. November 2013

Gesamtkilometer:          10.733 KM
Längste Strecke:              144     KM
Plattenstatistik:                  35

Quito. Eine Reise zum Mittelpunkt der Erde…

…naja eigentlich sollte es diesmal nur ein kleiner Ausflug mit dem Fahrrad werden, doch wieder missachten wir unsere eigenen Regeln: Traue hier keinem, wenn es um Distanzen geht. Und so wurde aus einer angedachten halben Stunde, ein Zweieinhalbstundentrip, bis wir auf dem Äquator standen.

Doch endlich war es so weit, freudestrahlend holt Fabi 2 Plastikflaschen aus dem Rucksack, um das Experiment zu machen, auf welches er schon so lange gewartet hat. Ab jetzt geht es mit dem selbst gebauten Trichter und etwas Wasser nur noch links- rechts, rechts-links, um herauszufinden auf welcher Seite der Erde sich das Wasser, wie rum dreht. Vergeblich. Warum bleibt es immer gleich???  Nach 4 weiteren Versuchen rufen uns 2 Jungs lachend zu: „Das ist nicht der Äquator! Das ist nur ein Monument, der Echte liegt wo anders!“- Schei.. Tourifalle :-(

Von Quito ging es dann mit viel Verkehr und auf teilweise sechs Spuren weiter Richtung Ambato. Mittagspause. Eine besondere Delikatesse scheint in Ecuador gegrillter Magen zu sein, der geschmacklich zwar top ist, von der Konsistenz aber eher an Kaugummi erinnert und so schlucken wir das Zeug nach einer Weile sportlichen Kauens einfach im Ganzen runter. :-)

In Ambato finden wir durch Zufall ein Casa Cylista(ein Haus für Radler),  wo uns Leo und seine Familie für 2 Tage Unterschlupf gewähren.. Nach Ambato wird der Verkehr langsamer, etwas überschaubarer und die Landschaft zeigt sich auch wieder von ihrer schönsten Seite.

Bei einem kleinen Dorf lässt uns die freundliche Regina heute im Gemeindehaus schlafen, so können wir uns der mittlerweile knackigen Kälte der Nacht für ein weiteres Mal entziehen. Mit frisch gebrühtem Kaffee sitzen wir auf einer Treppe, als das Licht langsam schwächer wird und schauen zu, wie in der Ferne ein Vulkan stetig große Rauchschwaden aus seinem Schlund stößt. Besser kann der Tag nicht ausklingen.

Hier im Süden ist alles wieder etwas beschaulicher, wir kommen durch kleine Dörfer und sehen jetzt mehr Indios mit ihren schicken Rundhüten herumlaufen, allerdings gibt es hier auch viel mehr Hunde, die manchmal wie aus dem Nichts erscheinen und mit denen wir uns zahlreiche Schlachten leisten. Ein gertenartiger Stock gehört inzwischen zu unserer Standardausrüstung im Kampf gegen „Horden“ wild gewordener Hochlandhunde. Einmal wird Fabi von gleich 5 Kläffern in einen Graben gejagt, woraufhin er den Spieß umdrehte und nun mit seinem Knüppel wutentbrannt der Meute hinterherflitzte. ;-)

Hoch, runter- runter, hoch. In Ecuador kommt keine Langeweile auf, denn an Bergen mangelt es nicht! An manchen haben die Trucker jedoch Mitleid und fahren besonders langsam neben uns. „Hängt euch ran Jungs!“ Da sagen wir nicht Nein und lassen uns einmal, ganze 9 Kilometer mit hochziehen bevor die Abfahrt nach Alausie unserem fahrerischen Können wieder alles abverlangt.

Erst hat Fabi kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu, seine Kette streikt zum x-ten Mal.  Doch während er zu retten versucht, was zu retten geht, hält neben uns ein Lastwagen und fragt, ob wir einen Lift möchten, spontan sagen wir zu und sitzen nun auf der fast geschlossenen Ladefläche Richtung Cuenca, wo wir ein paar Tage pausieren und uns das historische Stadtzentrum anschauen.

In aller Früh verlassen wir Cuenca, um möglichst viel Strecke zu machen. Da Peru nun nicht mehr weit entfernt ist, schöpfen wir auch neue Motivation und hauen ordentlich in die Pedale. Wir sind verdreckt vom vielen Staub, den die Trucker aufwirbeln, als wir am Abend zu einem rustikalen Restaurant kommen und zufällig in eine Kindergeburtstagsfeier rutschen. Mit vielen Süßigkeiten im Bauch, dürfen wir direkt unter der Veranda schlafen und sparen uns somit auch noch das Zeltaufbauen.

Noch einmal Kilometer schrubben und schon sind wir sind im nächsten Land unserer großen Reise.

„Bien Venidos a Peru“(Willkommen in Peru)    

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Kolumbien: Auf dem Gipfel zur 10.000 Marke

16. Oktober bis 05. November 2013

Gesamtkilometer:          10.163 KM
Längste Strecke:              76     KM
Plattenstatistik:                  34

Dass es immer noch verrückter geht, zeigen uns Kim und seine beiden kleinen Söhne aus Japan. Wir treffen das Gespann mit ihrem Fahrrad und dem selbst gebauten Anhänger in einem kleinen Dorf, in dem wir zu Mittag essen wollen. Seit knapp 4 Jahren reisen die Drei nun schon rings um den Globus. Kim als Zugpferd und die Kinder als Bremser hinten drin. Spannend.

Während wir gegenseitig Geschichten austauschen, hat sich um uns ein riesiger Mob aus Kolumbianern versammelt, die nicht fassen können, dass sich diese abgedrehten Typen ausgerechnet in ihrem Dorf begegnen. :-)

Viento Libre/ freier Wind. Ein schöner, doch vor allem heute passender Name für die Gegend. Es soll stürmisch werden, weshalb wir uns für diese Nacht hinter der Schule eines kleinen Dörfchens verschanzen. Auffallend wie ein bunter Hund, bekommen wir schnell Besuch von ein paar lustigen Kindern, die eifrig helfen die Zelte aufzubauen oder uns beim Kochen gespannt über die Schulter schielen.

Tocar la guitarra!Tocar, tocar!“ -Spiel die Gitarre! Spiel, spiel!

…rufen sie begeistert. Da in der Zwischenzeit sämtliche Kinder des Dorfes um uns versammelt waren, ernteten wir für die abendliche Bespaßung tobenden Beifall.

Am folgenden Morgen stehen wir in unseren verdreckten Fahrradklamotten vor der Klasse.

Diese Männer kommen aus Deutschland, sie können französisch, italienisch, spanisch, englisch und deutsch sprechen“ -erklärt der Lehrer. Um die Motivation der Kleinen nicht zu zerstören, belassen wir sie in dem Glauben, doch kommen nicht um ein Schmunzeln rum. :-)

Zum Glück wussten wir am Morgen noch nicht, wie viele Höhenmeter heute vor uns liegen. Wie auf einer Himmelsleiter ging es stetig aufwärts. Meter für Meter mit dem Blick Richtung Berg, schwitzend aus allen Poren und manchmal auch etwas fluchend. Mit rotem Kopf und bleiernen Schenkeln erreichen wir nach hart erkämpften 2418 Höhenmetern den Gipfel. Es ist bereits dunkel und kalt geworden. Die Stadt Pasto liegt nun schimmernd und funkelnd zu unseren Füßen als wären wir die Eroberer, die, die den Berg bezwungen haben.

Eine lange Abfahrt führt uns ins Zentrum, noch wissen wir nicht wo wir schlafen sollen, doch es wär mal wieder Zeit für eine Dusche. An einer Kreuzung spricht uns ein Motorradfahrer an und lädt uns zu sich ein. Wir bringen die Räder zu ihm und sitzen kurz darauf, noch völlig verdreckt mit Fernando und seiner Frau in einem der gehobenen Restaurants der Stadt. Was für ein Tag!

Wir spüren, was wir gestern getan haben, unsere müden Beine schmerzen und Fabi fängt an rum zu kränkeln, trotzdem machen wir weiter, heute gibt es noch einen Grund zu feiern. Auf genau 3000 Hm und am höchsten Punkt der Strecke fällt unser Fahrradtacho auf 10.000 km! Wahnsinn, nie hätten wir gedacht, dass wir mit den Drahteseln so weit kommen, eigentlich war es auch überhaupt nie geplant, mit dem Fahrrad zu fahren! Naja Appetit kommt ja bekanntlich beim Essen. :-)

An der Grenze zu Ecuador checken wir ohne Probleme aus und bekommen mit einem herzlichen „buen venidos“ einen Stempel in unsere Ausweise gedrückt. Da es Fabi immer noch nicht so gut geht, wollen wir eigentlich in Tucan bleiben, doch der Tag ist noch jung und wir sollten noch ein bisschen Strecke machen. Ein Lokal erzählt uns, dass in 15 km ein weiterer Ort kommt,

alles flach kein Problem“. Nach 25 km strampeln wir noch immer kräftig bergauf!!! Fabi, inzwischen nur noch ein Schatten seiner selbst, geht es richtig beschissen, die Erkältung kommt jetzt voll raus. Nach über 30 km erreichen wir endlich ein Dorf, wo wir eine Unterkunft bekommen.

Tapi-Tipp des Tages: höre nicht auf Lokals, wenn es um Distanzen oder Steigungen geht!! :-)

Die nächsten Tage liegt Fabi dann völlig flach und befüllt aus seinem Magen sogar ein paar Plastiktüten mit der schönen Suppe, die Dani ihm gekocht hatte.

Obwohl es dem Suppenspeier wieder besser ging, entscheiden wir uns nach Quito zu trampen. Dani möchte seinen Geburtstag gern in der Hauptstadt feiern. Nachdem wir erfolglos einige Pick-ups und Trucker gefragt haben, hält plötzlich ein Bus neben uns.

Donde van?“ (wohin fahren Sie?)

Quito, vamos!“( nach Quito, los kommt!)

Aber wir sind mit dem Fahrrad!“…doch wieder hieß es nur „vamos, vamos!!!“…schwups wurden die Klappen geöffnet, die Räder hinein gewuchtet und die Tapis für je 5$ an Bord gedrückt. Läuft! :-)

Quito ist, seitdem wir die USA verlassen haben, wieder die erste westlich wirkende Stadt für uns. Ein Mini Kulturschock. :-)

Unser Hostel liegt inmitten des Partyzentrums. Die Straßen und Bars hier sind voll mit gut gelaunten Leuten, quasi perfekt um Danis Geburtstag ordentlich zu feiern…dachten wir.

Am Sonntag ähnelte das ganze Gebiet einer Geisterstadt. Nur der Wind fegte durch die Straßen und pustete alte Bierbecher von einer Seite zur anderen. Wir wollten feiern und es war nichts los,

GAR NICHTS, NULL, TOTE HOSE HOCH DREI.

Man muss das Leben nehmen, wie es kommt und so verschoben wir die Feierei einfach auf Montagabend, wo wir mit Bier, Rum und 2 Mädels aus Österreich dann doch noch einen gebührenden Abschluss fanden. :-)

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Kolumbien; die Tapis zwischen Indigenen und Militär

15. Oktober bis 23. Oktober 2013

Gesamtkilometer:          9857 KM
Längste Strecke:              77 KM
Plattenstatistik:                  33

Der Morgen graut in Bueno Ventura, als wir mit unseren Rädern im Schummerlicht das Hafengelände verlassen und nach Cali aufbrechen. Die wolkenverhangene Gegend erscheint alles andere als einladend, doch die z.T. auf Stelzen gebauten Hütten der Slums beeindrucken auf eine ganz eigene Art und Weise (Ghetto-Romantik). Da es stetig bergauf geht, spüren wir schon bald, dass wir ein paar Wochen nichts getan haben. Die Beine fangen an zu brennen und der Kreislauf lässt den Kopf freudig Karussell fahren. Wir wollen heute keine Helden sein! Nach 3 Stunden kommt uns eine günstige, familiäre Unterkunft wie gerufen. Gute Entscheidung, am Abend werden wir den beiden noch „unverheirateten“ (zwinker,zwinker) Töchtern vorgestellt …Buenas noches ;-)

Dass Kolumbien nicht ganz ungefährlich ist, beweist die starke Militärpräsenz. Während wir uns weiter die Berge hinauf schlängeln, passieren wir Panzerwagen und zahlreiche Soldaten, die mit schweren Maschinengewehren oder sogar Granatwerfern ausgestattet sind. Trotzdem ist die Stimmung ausgelassen. Die Milizen grüßen, lächeln oder fangen mitten auf der Straße ein Gespräch an.

Die vielen Höhenmeter zehren an uns. Beide haben wir mit Knieschmerzen zu tun und müssen uns die 1800-Metermarke regelrecht erkämpfen. Die Mühe ist es dennoch wert, zur Belohnung bekommen wir eine sagenhafte Aussicht und eine 18 Kilometer lange Abfahrt nach Cali. Mit einem kleinen Lächeln rollen wir durch die Stadt, so anders wirkt sie auf uns. »Wir sind wirklich in Kolumbien.« Auf der Suche nach einer günstigen Unterkunft  treffen wir auf Sita, eine etwas aufgedrehte, aber nette Engländerin, die uns zu sich einlud, doch spontan dann plötzlich selber keine Bleibe mehr hatte. Trotzdem verabreden wir uns mit ihr. Am nächsten Tag kam sie ins Green House Hostel, wo wir letztlich 2 Betten für uns fanden.
Agro Yoga! »Was machen wir?« Ich zeig euch wie man fliegt! ;-) Komm einfach her! Beflügelt von Sita ́s Beinen, hängen wir dann wirklich für die nächste Stunde abwechselnd in der Luft, während die lustige Engländerin ihr Bestes gibt, um aus uns einen menschlichen Knoten zu zaubern.
(*Die hier beschriebenen Szenen wurden von erfahrenen „Stuntmännern“ ausgeführt. Vorschlag: das sollte niemals ohne professionelle Hilfe geschehen.);-)

Cali ist spannend zu entdecken, denn die Stadt hat viele Gesichter. Unser Viertel ist besonders schön. Einen Abend sitzen wir zusammen mit Sita, sowie einem Freund von ihr auf einer Dachterrasse und machen Musik, während der Tag zur Nacht wird und die hüglige Landschaft vor unseren Augen einen magischen Wechsel vollzieht. Allerdings hören wir auch viele Horrorgeschichten von Schießereien, die wir kaum glauben können, da die Kolumbianer, die wir treffen, einfach unheimlich nett sind. Auch die Stadtkarte aus dem Hostel deutet mit traurigen, roten Smilies darauf hin, bestimmte Viertel nicht in der Nacht oder besser gar nicht zu betreten. Vielleicht doch nicht ganz ohne Grund, bei einer Rundfahrt entdecken wir einige heruntergekommene Stadtteile, in denen Drogen nur eins der vielen Probleme zu sein scheinen.
Wie so oft könnten wir hier noch ewig bleiben, wie so oft müssen wir weiter. Doch nicht ohne noch Alex den Russen zu treffen, der letzte Nacht im Vollrausch, splitterfasernackt, neben uns in sein Bett kippte und sich heute Morgen unverändert vorstellte. »Hi, ich bin Alex.« Die wahrscheinlich ehrlichste Art jemanden kennenzulernen! Nichts verstecken! :-)

Wir verlassen die Stadt in Richtung Popayan. Im Garten eines Restaurants dürfen wir diese Nacht unser Zelt aufstellen. Die einzige Bedingung ist, dass wir dort frühstücken. Ansonsten bekommen wir eine Dusche, Trinkwasser und …viele Mädels?! Schon beim Zeltaufbauen bildet sich ein kleiner Haufen von z.T. leicht bekleideten Grazien, die wissen möchten wie es sich in einem Zelt so schläft(*zwinker). Natürlich wollen sie nur unser Bestes, …schöne Augen inklusive. Am Abend bemerkten wir dann eindeutig wo wir gelandet waren. Hübsch zurechtgemacht, hatten die Mädels noch viel Arbeit vor sich.

Man hatte uns gewarnt! »Da kommt ihr nicht durch!« Zwischen Cali und Popayan gab es zu dieser Zeit schwere Auseinandersetzungen zwischen den Indigen, die für ihre Menschenrechte kämpften und dem kolumbianischen Militär. Und mittendrin die Tapis, die auf ihren Drahteseln vorbeikommen. ;-)

Zu Beginn treffen wir auf Kolonnen von Panzerwagen und schwerst bewaffneten Soldaten, die uns jedoch freundlich gewähren lassen.»Gegen 14Uhr solltet ihr aber von der Straße verschwinden!!« ruft uns einer noch nach. Vorbei an Überbleibseln vergangener Schlachten dringen wir nun immer tiefer in das Kampfgebiet vor. Hier werden Vorbereitungen getroffen! Einige Leute tragen Baumstämme zur Straße, andere rollen große Felsbrocken vor sich her. Viele Indigene sind mit Pfeil und Bogen, Schlagstöcken oder Katschis bewaffnet. Uns ist etwas mulmig zumute, doch die Einheimischen schaffen es schnell unser Unwohlsein zu lösen. Viele von ihnen jubeln uns zu, feuern uns am Berg an oder winken wie verrückt. Einige Kilometer weiter treffen wir auf einen weiteren Militärkonvoi. Traurig, dass sich hier später alle die Köpfe einschlagen werden!

Kurz vor Popanyan treffen wir Carlos mit seinem klapprigen Fahrrad, einer festgezurrten Sporttasche und einem von Schweiß durchtränkten Pullover. Der junge Kolumbianer radelt über das Wochenende 200 Kilometer zu seiner Familie. Da wir die gleiche Route haben, fahren wir zusammen. Für uns ist er noch mal ein Beweis, dass man nicht viel braucht, einfach ein Fahrrad schnappen und losfahren! Schöne Aussichten gibt es hier viele, doch sie müssen erkämpft werden. Ok, manchmal haben wir Glück und hängen uns an einen langsam fahrenden Lastwagen, was allerdings bei 70kg Fahrradgewicht dann auch ordentlich auf den Arm geht. ;-) Die Sonne steht schon tief als wir einen weiteren Militärposten bei Mojarras im Departamento de Cauca passieren. Ein Soldat, der unsere Ausweise kontrolliert, spricht deutlich zu uns. »Jungs seid vorsichtig! Guriella und Räuber sind hier unterwegs.« Echt? »Klar, wir stehen hier nicht umsonst.Komisches Gefühl, bei der schönen Landschaft und den netten Leuten vergisst man schnell wo man sich befindet. Versteckt von der Straße, dürfen wir unser Zelt diese Nacht neben einem Restaurant, in einem Hain aus Limettenbäumen aufstellen. Somit haben wir gleich zweifachen Schutz vor Räubern und Vitamin C Mangel. ;-)

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