In der Sendung “ZIBB” berichten wir von unserer Weltreise und wie wir zum Fahrrad gekommen sind.

Hervorgehoben

Auf dem Sofa von ZiBB hatten wir eine Menge Spaß mit Madeleine als wir ihr erzählen wie wir dazu kamen, mit dem Fahrrad um die Welt zu fahren.

 

Kolumbien; die Tapis zwischen Indigenen und Militär

15. Oktober bis 23. Oktober 2013

Gesamtkilometer:          9857 KM
Längste Strecke:              77 KM
Plattenstatistik:                  33

Der Morgen graut in Bueno Ventura, als wir mit unseren Rädern im Schummerlicht das Hafengelände verlassen und nach Cali aufbrechen. Die wolkenverhangene Gegend erscheint alles andere als einladend, doch die z.T. auf Stelzen gebauten Hütten der Slums beeindrucken auf eine ganz eigene Art und Weise (Ghetto-Romantik). Da es stetig bergauf geht, spüren wir schon bald, dass wir ein paar Wochen nichts getan haben. Die Beine fangen an zu brennen und der Kreislauf lässt den Kopf freudig Karussell fahren. Wir wollen heute keine Helden sein! Nach 3 Stunden kommt uns eine günstige, familiäre Unterkunft wie gerufen. Gute Entscheidung, am Abend werden wir den beiden noch „unverheirateten“ (zwinker,zwinker) Töchtern vorgestellt …Buenas noches 😉

Dass Kolumbien nicht ganz ungefährlich ist, beweist die starke Militärpräsenz. Während wir uns weiter die Berge hinauf schlängeln, passieren wir Panzerwagen und zahlreiche Soldaten, die mit schweren Maschinengewehren oder sogar Granatwerfern ausgestattet sind. Trotzdem ist die Stimmung ausgelassen. Die Milizen grüßen, lächeln oder fangen mitten auf der Straße ein Gespräch an.

Die vielen Höhenmeter zehren an uns. Beide haben wir mit Knieschmerzen zu tun und müssen uns die 1800-Metermarke regelrecht erkämpfen. Die Mühe ist es dennoch wert, zur Belohnung bekommen wir eine sagenhafte Aussicht und eine 18 Kilometer lange Abfahrt nach Cali. Mit einem kleinen Lächeln rollen wir durch die Stadt, so anders wirkt sie auf uns. »Wir sind wirklich in Kolumbien.« Auf der Suche nach einer günstigen Unterkunft  treffen wir auf Sita, eine etwas aufgedrehte, aber nette Engländerin, die uns zu sich einlud, doch spontan dann plötzlich selber keine Bleibe mehr hatte. Trotzdem verabreden wir uns mit ihr. Am nächsten Tag kam sie ins Green House Hostel, wo wir letztlich 2 Betten für uns fanden.
Agro Yoga! »Was machen wir?« Ich zeig euch wie man fliegt! 😉 Komm einfach her! Beflügelt von Sita ́s Beinen, hängen wir dann wirklich für die nächste Stunde abwechselnd in der Luft, während die lustige Engländerin ihr Bestes gibt, um aus uns einen menschlichen Knoten zu zaubern.
(*Die hier beschriebenen Szenen wurden von erfahrenen „Stuntmännern“ ausgeführt. Vorschlag: das sollte niemals ohne professionelle Hilfe geschehen.);-)

Cali ist spannend zu entdecken, denn die Stadt hat viele Gesichter. Unser Viertel ist besonders schön. Einen Abend sitzen wir zusammen mit Sita, sowie einem Freund von ihr auf einer Dachterrasse und machen Musik, während der Tag zur Nacht wird und die hüglige Landschaft vor unseren Augen einen magischen Wechsel vollzieht. Allerdings hören wir auch viele Horrorgeschichten von Schießereien, die wir kaum glauben können, da die Kolumbianer, die wir treffen, einfach unheimlich nett sind. Auch die Stadtkarte aus dem Hostel deutet mit traurigen, roten Smilies darauf hin, bestimmte Viertel nicht in der Nacht oder besser gar nicht zu betreten. Vielleicht doch nicht ganz ohne Grund, bei einer Rundfahrt entdecken wir einige heruntergekommene Stadtteile, in denen Drogen nur eins der vielen Probleme zu sein scheinen.
Wie so oft könnten wir hier noch ewig bleiben, wie so oft müssen wir weiter. Doch nicht ohne noch Alex den Russen zu treffen, der letzte Nacht im Vollrausch, splitterfasernackt, neben uns in sein Bett kippte und sich heute Morgen unverändert vorstellte. »Hi, ich bin Alex.« Die wahrscheinlich ehrlichste Art jemanden kennenzulernen! Nichts verstecken! 🙂

Wir verlassen die Stadt in Richtung Popayan. Im Garten eines Restaurants dürfen wir diese Nacht unser Zelt aufstellen. Die einzige Bedingung ist, dass wir dort frühstücken. Ansonsten bekommen wir eine Dusche, Trinkwasser und …viele Mädels?! Schon beim Zeltaufbauen bildet sich ein kleiner Haufen von z.T. leicht bekleideten Grazien, die wissen möchten wie es sich in einem Zelt so schläft(*zwinker). Natürlich wollen sie nur unser Bestes, …schöne Augen inklusive. Am Abend bemerkten wir dann eindeutig wo wir gelandet waren. Hübsch zurechtgemacht, hatten die Mädels noch viel Arbeit vor sich.

Man hatte uns gewarnt! »Da kommt ihr nicht durch!« Zwischen Cali und Popayan gab es zu dieser Zeit schwere Auseinandersetzungen zwischen den Indigen, die für ihre Menschenrechte kämpften und dem kolumbianischen Militär. Und mittendrin die Tapis, die auf ihren Drahteseln vorbeikommen. 😉

Zu Beginn treffen wir auf Kolonnen von Panzerwagen und schwerst bewaffneten Soldaten, die uns jedoch freundlich gewähren lassen.»Gegen 14Uhr solltet ihr aber von der Straße verschwinden!!« ruft uns einer noch nach. Vorbei an Überbleibseln vergangener Schlachten dringen wir nun immer tiefer in das Kampfgebiet vor. Hier werden Vorbereitungen getroffen! Einige Leute tragen Baumstämme zur Straße, andere rollen große Felsbrocken vor sich her. Viele Indigene sind mit Pfeil und Bogen, Schlagstöcken oder Katschis bewaffnet. Uns ist etwas mulmig zumute, doch die Einheimischen schaffen es schnell unser Unwohlsein zu lösen. Viele von ihnen jubeln uns zu, feuern uns am Berg an oder winken wie verrückt. Einige Kilometer weiter treffen wir auf einen weiteren Militärkonvoi. Traurig, dass sich hier später alle die Köpfe einschlagen werden!

Kurz vor Popanyan treffen wir Carlos mit seinem klapprigen Fahrrad, einer festgezurrten Sporttasche und einem von Schweiß durchtränkten Pullover. Der junge Kolumbianer radelt über das Wochenende 200 Kilometer zu seiner Familie. Da wir die gleiche Route haben, fahren wir zusammen. Für uns ist er noch mal ein Beweis, dass man nicht viel braucht, einfach ein Fahrrad schnappen und losfahren! Schöne Aussichten gibt es hier viele, doch sie müssen erkämpft werden. Ok, manchmal haben wir Glück und hängen uns an einen langsam fahrenden Lastwagen, was allerdings bei 70kg Fahrradgewicht dann auch ordentlich auf den Arm geht. 😉 Die Sonne steht schon tief als wir einen weiteren Militärposten bei Mojarras im Departamento de Cauca passieren. Ein Soldat, der unsere Ausweise kontrolliert, spricht deutlich zu uns. »Jungs seid vorsichtig! Guriella und Räuber sind hier unterwegs.« Echt? »Klar, wir stehen hier nicht umsonst.Komisches Gefühl, bei der schönen Landschaft und den netten Leuten vergisst man schnell wo man sich befindet. Versteckt von der Straße, dürfen wir unser Zelt diese Nacht neben einem Restaurant, in einem Hain aus Limettenbäumen aufstellen. Somit haben wir gleich zweifachen Schutz vor Räubern und Vitamin C Mangel. 😉

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Auf dem Seeweg durch das Darien Gap

3. Oktober bis 14. Oktober 2013

Panama Stadt;

mit herunterhängenden Schultern stehen wir vor dem kleinen Hafen am Fischmarkt. Seit Tagen versuchen wir auf ein Boot zu kommen, um die Metropole über den Wasserweg verlassen zu können. Leider erfolglos. Auch heute bekommen wir nur ein abgerungenes „mañana, mañana“. Kommt morgen wieder.

Nur spärlich erfährt man überhaupt Information, wie und ob das funktioniert. Die meisten Leute die nach Kolumbien wollen, fliegen oder segeln über die Karibikseite nach Catahena. Das Darien Gap scheint eher noch ein schwarzer Fleck zu sein. Grund genug um diesen Weg zu erkunden. 🙂

Unsere kolumbianische Vermieterin hatte uns verraten, dass ab und zu ein kleines Versorgungsschiff nach Jaque ausläuft, dem letzten Örtchen in Panama, das umringt von Dschungel und nur übers Wasser oder mit einem Privatflugzeug zu erreichen ist.

„Wenn ihr angekommen seid fragt nach dem Kolumbianer, der bringt euch mit einem Motorboot nach Bahia Solano, dem ersten Ort auf kolumbianischer Seite. Dort findet ihr dann ein weiteres Schiff nach Bueno Ventura, wo letztendlich geteerte Straßen auf euch warten.“

Versuch Nummer 5 klappt! Die Victoria soll noch an diesem Nachmittag auslaufen.

Schwere Kisten und Benzinfässer schweben, beflügelt von einem Flaschenzug, vom Festland übers Wasser und verschwinden tief im Bauch des Holzkahns. Träger kommen herbeigeeilt, bringen mehr und mehr Zeug, karren Schränke herbei, Möbel, Bier, Baumaterial, Obst, Gemüse und unzählige Eier. Selbst ein Auto findet Platz auf der in die Jahre gekommenen, blau lackierten Victoria.

Als die Tapi-Bikes ebenfalls verstaut sind, kann es los gehen. Mit uns besteigen viele Kolumbianer und 3 schwer bewaffnete Milizen das Deck.

Ungestellte Fragen schweben in der Luft.

„Was machen die Gringos hier?“ 

Obwohl die meisten Leute nett sind, können wir in einigen Gesichtern doch etwas Missmut ablesen. Eine komische Stimmung, die wir mit brutaler Nettigkeit und kleinen Scherzen wettzumachen versuchen.

Viel Platz ist nicht auf der Victoria. Ein schmaler Gang führt zu einigen noch schmaleren Kabinen, wo sich je 6 schulterbreite, in klaustrophobischen Abständen eingeteilte Bettkästen befinden, welche mit hauchdünnen Brettchen ausgelegt sind, die schon beim Probeliegen drohen zu zerbrechen. Trotz allem haben wir Glück überhaupt einen Schlafplatz zu ergattern, der Kahn ist ziemlich überladen, sodass einige Passagiere während der Überfahrt dicht gedrängt auf einer Bank Platz nehmen müssen.

Die Motoren tönen auf, die Seeleute machen die Leinen los, langsam setzt der Kahn sich in Bewegung und…stoppt nach 500 Metern. Mitten im Hafen wird der Anker geschmissen und ein Großteil der Leute verlässt nach einer Weile wieder das Boot via Wassertaxi.

„Der Motor hat Feuer gefangen“, lässt uns der Kapitän wissen. „Mañana, mañana“ . Es geht erst morgen weiter.

Die Nacht verbringen wir schaukelnd, aber mit dem wahrscheinlich besten Blick auf die imposant wirkende, nächtliche Skyline von Panama-Stadt.

Knapp 20 Stunden später signalisiert das plötzliche Grollen des Motors, dass der Schaden behoben ist und wir nun endlich in See stechen.

An Bord wurden wir gut versorgt. Frühstück, Mittag und Abendbrot waren inklusive, nur Fabi verscherzte es sich wegen seiner Filmerei mit dem Koch und bekam von da an nur noch halbe Portionen. 🙂

Nacht. Die See ist unruhig. Erfasst von großen Wellen schwankt der Kahn mächtig hin und her, wiegt uns in den Kajüten wie Babys, während das Brausen des Windes und  die ächzenden Holzbalken einen in das richtige Abenteuergefühl versetzen.

Obwohl Dani normalerweise der Erste ist, der über der Reling hängt, war er diesmal standhaft wie ein alter Seebär. Ein Medizinmann der Kunas hatte ihm damals ein besonderes Holz zum Kauen gegeben, das traditionell bei Seekrankheit helfen soll und in dem Fall scheinbar auch tat.

Der beginnende Morgen entblößt viele blasse Gesichter, einige mit Augenringen, die Bände sprechen.  Auch beim Frühstück greifen nicht mehr all zu viele zu. Fabi bekommt trotzdem nur die Hälfte. 🙂

Der Rücken schmerzt. Nach stundenlangem Liegen auf den Bretterbetten gibt es keine Position mehr, die nicht wehtut.

Dass wir uns nun endgültig fern ab der Touristenpfade befinden, beweist ein bis an die Zähne bewaffnetes Militärboot, das wie in einem Rambo-Film, plötzlich aus dem Nichts auftaucht und auf uns zu rast. Skeptisch wie Hunde, betrachten die Milizen die Neuankömmlinge in ihrem Revier, ein Lächeln oder Winken bringt keiner zustande. 

„Das ist kein Spiel, Kido“! Scheinen sie zu rufen.

Gegen 10 Uhr erreichen wir die Küste vor Jaque. Während die meisten Passagiere mit kleinen Booten abgeholt und über die mächtige Brandung an Land gebracht werden, bleiben wir bei unseren Rädern. Die Wellen sind noch zu gewaltig für die zerbrechlich wirkende Victoria. 5 quälend lange Stunden müssen wir warten, bis die See etwas beruhigt hat und unser Skipper schließlich einen Versuch wagt.

Im Zickzack-Kurs kreuzt der erfahrene Kapitän an der noch immer heftig wirkenden Brandung entlang und beobachtet das Meer. Geduldig wartet er auf eine Gelegenheit …bis schließlich der Moment gekommen ist. Entschlossen zieht er den Bug plötzlich in Richtung Festland und schaltet die Motoren auf volle Fahrt. Es funktioniert, auf kleineren Wellen surfen wir regelrecht dem Festland entgegen bis sich…, wie sollte es anders sein, das Meer doch noch entschließt hinter dem lahmen Kahn emporzusteigen und uns mit einem gewaltigen Platscher gegen das Heck zu verabschieden.

Das Versorgungsboot mit seinen vielen Waren wurde schon sehnsüchtig erwartet, doch einen Anlegesteg fehlt, also wurden die schweren Benzinfässer einfach über Bord geschmissen und von Schwimmern des Militärs an Land gezogen. Für den Rest, unsere Bikes inklusive, kamen dann kleine Boote, die uns natürlich völlig überteuert aufs Festland übersetzten. Bevor wir uns auf jedoch auf Jaque frei bewegen durften, nahm uns einer der Milizen unsere Ausweise ab, Protest hin oder her.

„Die bekommt ihr wieder wenn ihr Jaque verlasst“! Sprach er und war verschwunden.

Natürlich sind wir mit den Rädern mal wieder das Highlight hier und werden bestaunt wie Affen im Zoo.

„Gringos“ con Bicicleta jajaja! („Gringos“ aufm Fahrrad hahaha!) 

Noooo, Alemanes( nee Deutsche) 😉

Jeden Tag aufs neue Spazieren wir durch das beschauliche Dorf zum Militärpunkt, um nach dem Boot zu fragen. Doch die Antwort bleibt dieselbe:

mañana, mañana“  Kommt morgen wieder!

Wenigsten freunden wir uns immer besser mit den Bewohnern an.  „Ahh los Alemanes“ (na geht doch!) 🙂

Wir haben ein Problem! Wie bitte? WIR HABEN EIN PROBLEM!!!

Fabi hört nichts mehr. Eine Mittelohrentzündung macht die Kommunikation mit ihm schwierig. Super Zeitpunkt! Da wir dummerweise nichts Spezielles dafür dabei haben, versuchen wir es mit einem alten Hausmittelchen. Zwar stinkt es jetzt neben ihm, aber die klein gehackte Zwiebel scheint zu lindern.

Am 4. Tag schuf Gott Sonne, Mond und Sterne,  …wir kamen endlich auf das Boot in Richtung Bahia Solano. Um 6.30 Uhr standen wir, sowie 6 Mitfahrer bei dem kleinen Militärposten am Wasser. Bevor wir die kleine Nussschale besteigen durften und unsere Ausweise wieder bekamen, musste jeder sein Gepäck in eine Reihe legen, damit der herbeigebrachte Drogenhund seine Arbeit verrichten konnte. Nichts, wir dürfen weiter reisen.

Da war sie wieder, die Brandung erhob sich vor uns wie eine unüberwindbare Mauer. Doch bevor wir uns überlegen konnten, wie wir da jetzt rüber kommen, machten wir schon einen ersten gewaltigen Satz, und noch einen und noch einen und, und, und, …bis sich schließlich die Mutter aller Monsterwellen direkt vor unserem Bötchen in voller Größe aufbaute und sich die Reaktionen auf das Unvermeidliche in einem gemeinsamen „Ooooohhhhh“, sowie von einem blitzartigen Festkrallen der Hände an etwas Festem widerspiegelte. Dann röhrte der Motor auf und wir schossen mit voller Geschwindigkeit dem Ungetüm entgegen.

Das ist der Beweis! Auch Boote können fliegen! 🙂

Die gesamte Überfahrt dauerte quälende 8 Stunden, in denen wir der Sonne fast schutzlos ausgeliefert waren. Natürlich hatte keiner von uns an Sonnencreme gedacht und auch die übrigen Mitreisenden sahen später aus wie Hummer nach dem Kochen. Fabi allerdings hatte neben der Dauerbestrahlung noch ein weiteres Problemchen. Er muss seit 2 Stunden pinkeln und kann nicht. Die Tatsache, dass ihm alle zugucken, scheint seiner Blase nicht zu gefallen. Jedenfalls hockt er schon seit knapp 20 Minuten, mit Schweiß auf der Stirn und seinem besten Stück in der Hand neben Dani und versucht sich erfolglos in einen kleinen Plastikbecher zu entleeren. Laute Lacher und Witzeleien der Mitfahrer inbegriffen. 🙂

Erst nach weiteren 10 Minuten signalisiert ein plötzlicher Freudenschrei und nicht enden wollendes Geplätscher die langersehnte Erleichterung, selten hat man ihn so glücklich gesehen!  🙂

„Bienvenido en Colombia“ 

In Bahia Solano fühlen wir uns wirklich willkommen, denn schon am Hafen begegnen uns Salsa-Rhythmen und viele herzliche Menschen. Auch unsere Visa-Stempel gewährt man uns problemlos und mit einer, für Grenzbeamte unglaublichen Freundlichkeit. Die kolumbianischen Schönheiten und Kolumbiens WM-Qualifikation, die hier wahnsinnig gefeiert wurde, lassen zusätzlich auf eine tolle Zeit in diesem Land hoffen.

Nach 3 Tagen besteigen wir, ganz nach südamerikanischer Pünktlichkeit, 10 Stunden zu spät, das Schiff, das uns nach Bueno Ventura bringt.

Noch einmal zeigt uns das Meer auf der 24-stündigen Überfahrt seine Stärke, was das Laufen an Deck zu einer witzigen Angelegenheit macht und dem ein oder anderen nicht so belastbaren, eine grausige Zeit bescherte. Um 5 Uhr morgens erreichen wir voller Vorfreude den Hafen von Bueno Ventura, wo wir unter interessierten Blicken unsere Fahrräder bepacken und nach 11 Tagen endlich wieder Asphalt unter die Räder bekommen.

Du lernst erst richtig etwas zu vermissen, wenn du es lange nicht hattest. 🙂

Kurz Info für die Nachahmer:

Die Überfahrt von Panama City nach Jaque, kostet ca. 26 Doller, auf dem Boot von Jaque nach Bahia Solano haben wir 100 Doller pro Person, plus 40 Doller je Fahrrad bezahlt und von Bahia Solano nach Bueno Ventura noch mal ca. 30 Doller pro Person. In Bahia Solano gibt es zwar einen Geldautomaten, aber nehmt euch trotzdem genug Bares mit, da es nicht sicher ist, dass dieser auch funkioniert!

 

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Panama: wer pinkeln muss, macht über Bord!

2. September bis 2. Oktober 2013

Gesamtkilometer:          9182 KM
Längste Strecke:             168 KM
Plattenstatistik:                    33

Hier stehen wir also im theoretischen Niemandsland. Von Costa Rica ausgestempelt, am Ende einer langen bürokratischen Schlange von Leuten, die das gleiche Ziel haben, Panama.

Um einreisen zu dürfen, benötigt man zwei Dinge: 500 Dollar in bar und ein Ausreiseticket, das beweist, dass man das Land auch wieder verlässt.

Wir hatten weder/noch, doch ließen es darauf ankommen. Statt dem Verlangten reichen wir unsere Tapi-Visitenkarte ein und erklären, auf inzwischen besser gewordenem Spanisch, was wir vorhaben.

Skeptisch nimmt der etwas mürrische Grenzbeamte das bedruckte Papier.

Ein Blick auf die Karte, ein Blick zu uns, ein Blick auf die Karte, ein Blick zu uns, ein Blick auf die Karte, dann zu seinen Kollegen; …Karte weiterreichen; …*brubel, brubel*; lautes Gelächter; …klack, klack; …„bienvenidos en Panama“ (Willkommen in Panama)!

So einfach geht das! 😉

Es dämmert schon als wir uns entschließen doch noch aus dem Grenzort zu verschwinden. Einladend sieht anders aus. Wenig später sieht man zwei schwache Lichtlein am Straßenrand wie Glühwürmchen durch die Nacht wuseln, stets bemüht sich nicht gegenseitig über den Haufen zu fahren. Nach 1 1/2 Stunden durch die Finsternis erreichen wir schließlich die Stadt la Conception, und enden kurz darauf mit je einem Bier auf dem Bordstein sitzend. Es ist schon spät und immer noch wissen wir nicht wohin. Die Zimmerpreise hier schocken uns gewaltig, 40$ liegen weit über unserem Budget. Doch wie so häufig wendet sich das Blatt schließlich. Wir bekommen einen Tipp es bei den Bomberos (der Feuerwehr) zu versuchen.

Wenn ihr nett fragt, nehmen sie Euch bestimmt auf!“

Neben großen Rollen von Schläuchen, einigen verrußten Schutzmänteln und vor einem roten Feuerwehrauto breiten wir schließlich unsere Schlafmatten für die Nacht aus. Wir dürfen eine Dusche nehmen und erzählen dann im Tausch für den Schlafplatz, der sichtlich interessierten Meute aus Feuerwehrmännern unsere Geschichte. Ein langer Tag geht zu Ende.

Entlang der Panamerikaner kommen wir gut voran, Tag für Tag machen wir jetzt mindestens 100 Km, nicht zu Letzt bedingt durch die mangelnden Schlafgelegenheiten. Bei San Felix finden wir erst nach langem Suchen einen Schlafplatz unter der Terrasse eines verlassenen Restaurants, wo wir uns vor dem kommenden Regen in Sicherheit bringen.

Noch 280 Kilometer bis Panama Stadt. Beschwingt von den fahrradintensiven Tagen, nehmen wir uns vor, die 200 Kilometermarke endlich zu schaffen. Es läuft super, die ersten 100 Km nach Peronome machen wir sogar in 4 Stunden. Nach einem ordentlichen Mittagessen geht es weiter. Doch die Beine merken wir jetzt und auch die Strecke spielt nun leider nicht mehr ganz mit, es ist jetzt ganz schön hüglig. 160 Km; die Sonne verlässt gerade den Himmel, als die eben noch eingeredete Zuversicht plötzlich der harten Realität weicht. Ein fetter Nagel in Fabis Hinterrad zwingt uns zum Halten und der dabei entdeckte doppelte Speichenbruch erklärt nun auch die komischen Geräusche der letzten Minuten.

Das Loch geflickt, die Taschen zurück aufs Rad und schon ist der Reifen wieder platt! Dani sauer über die Situation, Fabi nah der Verzweiflung. Als auch das dritte Loch verarztet ist, fahren wir noch 8 Kilometer in die Stadt Chame und machen Abendessen. Abgekämpft entschließen wir, hierzubleiben. Die Speichen müssen repariert werden und so richtig Lust weiter durch die Dunkelheit zu eiern, hat von uns beiden auch keiner mehr. Nach 168 Km im Sattel steuern wir nur noch Richtung Bett.

Über die „Puente de las Americas“ (Brücke der Amerikas) rollen wir bei strahlendem Sonnenschein in Panama Stadt ein, lassen uns im Lunas Hostel nieder und feiern mit ein paar Bierchen unsere Ankunft in der Hauptstadt.

Nach langer Zeit treffen wir auch wieder auf einige Backpacker, eine schöne Abwechslung.

Auf der Straße lernen wir Adam kennen. Der dreißigjährige Neuseeländer ist durch Fabis großes Objektiv auf uns aufmerksam geworden. Er betreibt hier ein Veranstaltungsunternehmen für die San Blas Inseln und möchte seine Tour gerne promoten. Als wir ihm ein paar unserer Filme zeigen, ist er begeistert! Schließlich engagiert er uns 2 Tage, um ein kleines Werbevideo für seine Tour zu drehen. Das neue Tapi-Business läuft, und spricht sich herum! Auch Stephanie, die Segelboottouren anbietet, kommt auf uns zu. Sie hätte gerne ein paar Fotos um ihre Boote und Kapitäne vorzustellen.

Vom Hobbyknipser zum Profifotografen. 😉

Früh um 5, ein großer, weißer Landrover hält vor dem Lunas Hostel um die Tapis und den Rest der Reisegruppe abzuholen und zu den Booten zu bringen die uns später auf die auf die San Blas Inseln überschippern. Nach 2 Stunden über teils achterbahnähnliche Straßen tauschen wir den 4×4 gegen eine motorisierte Nussschale in der zeitnah nach dem Ablegen auch schon das „traditionelle Tourfrühstück“ serviert wird. Eine 1,5-Liter-Flasche „Abuelo Rum“ gepaart mit dem ein oder anderen Dosenbier. Heiter geht es weiter! 😉

Was für ein Job! Während wir versuchen, die Szenarien so professionell wie möglich auf Film zu bannen, geben sich die hübschen Tour-Begleiterinnen alle Mühe, uns die braune Wundermedizin gegen Müdigkeit und schlechte Laune, von oben in den Mund zu träufeln. 🙂

Strahlend weißer Strand, kristallklares türkisfarbenes Wasser und Kokospalmen, die für Schatten sorgen, endlich sind wir angekommen, für lau im Paradies. Auch der Film dreht sich fast von allein, wir gehen tauchen, spielen Volleyball oder entspannen einfach mit einem Bierchen in der Sonne. Hier, und da noch die Kameras draufhalten, fertig. Einen schöneren Arbeitsplatz kann man sich nicht vorstellen.

Die Nacht verbringen wir auf der Hauptinsel, in Kuna Village wo wir am nächsten Morgen eine Führung über die Insel, sowie ein Einblick über die Lebensweise und Kultur der Kunas bekommen.

Nachmittag, auf einer weiteren Trauminsel von San Blas. Wir treffen Steph wieder, die mit einem Wassertaxi hier ist, um uns zu unserem nächsten Job zu bringen.

Vorbei an zahlreichen kleinen wie größeren Landmassen gelangen wir schließlich zu einer Kolonie aus Segelbooten, die etwas abgelegen zwischen 2 kleinen Inseln vor Anker liegen.

Wir lernen unter anderem Gabriell und Ornella kennen. Mit dem superrelaxten Brasilianer und der temperamentvollen, hübschen Italienerin verbringen wir die nächsten Tage auf und unter Deck. 2 Jahre haben sie diesen Ort kaum verlassen, fern ab der Zivilisation, ein leben wie Robinson Crusoe. Neben unserer Hauptaufgabe die verschiedenen Boote zu fotografieren, haben wir auch viel Zeit für uns. Ornella zeigt uns das Apnoetauchen auf unter 7 Meter (tauchen, nur mit der eigenen Luft) und Gabriell, geht mit uns Harpunieren. 2 dicke, frische Fische gibt es diesen Abend zu essen.

Wer pinkeln muss, macht über Bord, wer sich dreckig fühlt, springt ins Meer, abgeduscht wird nicht, denn Süßwasser ist Rah. Sie warten auf Regen. Auch an die kleinen Essensrationen müssen wir uns erst noch gewöhnen, unser Radlermagen hat Hunger.

Diese Lebensweise ist so anders, aber es macht Spaß nur an heute zu denken, die Sonne geht auf, die Sonne geht unter.

Nach 5 Tagen auf See treten wir den Heimweg an. Glücklich, trotz nun auftretender Landkrankheit, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben; ausgelaugt, obgleich entspannte Tage hinter uns liegen und dankbar, für die Erfahrung, auch wenn wir gemerkt haben, dass dieser Lebensstiel auf Dauer nichts für uns ist, am Schluss bekam uns leicht das Gefühl gefangen zu sein, gefangen im Paradies.

Zurück in Panama erwartet uns noch eine kleine Überraschung, unsere Freunde die Rad-Toreros sind ebenfalls in der Stadt. 5 Monate ist es her als wir uns in Mexiko getrennt haben, heute dürfen wir noch mal zusammen lachen, feiern und bis spät in die Nacht, Geschichten austauschen, die jede weitere Form von Unterhaltung unnütz erscheinen lassen.

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